Wieder ging der Konsum von Wein pro Deutschem ein Stückchen zurück. Unter den einheimischen Gewächsen boomt Weißwein weiter.
Der in wichtigen Absatzländern sinkende Weinkonsum zeigt Folgen. In Deutschland etwa wurde wieder weniger getrunken als im Vorjahr, an Wein pro Deutschem über 16 Jahre ging es etwa einen Drittelliter auf 22,2 Liter zurück. Der darin enthaltene Schaumwein blieb mit 3,2 Litern stabil, anscheinend gibt es noch genug zu feiern. Der Marktanteil deutscher Weine am Gesamtmarkt ist das vierte Jahr in Folge hierzulande gefallen. An dem, was die Deutschen an eigenen Weinen tranken, ist wiederum der Anteil an Weißwein prozentual ein weiteres Mal gestiegen. Dies zeigen Zahlen des Deutschen Weininstituts.

Höhere Ausgaben für weniger importierten Wein
Mit der wirtschaftlichen Situation hat der Mengenrückgang wohl nur bedingt zu tun. Bei der Importware fiel zwar auch die Menge um deutliche 7,5 Prozent, für die geringere Anzahl an Flaschen wurden aber 7,5 Prozent mehr Geld ausgegeben. Leider lässt sich aus der diesjährigen Statistik nicht der Durchschnittspreis entnehmen, der für eine Flasche Wein pro Deutschem bezahlt wurde.
Interessant ist auch, dass es bei den ersten zehn Ländern, die beim deutschen Import wichtig sind, Minuszeichen hagelte. Auf Platz elf dagegen hat Ungarn gut 9 Prozent in Wert und Menge zugelegt. Die aktuelle Übersicht bezieht sich auf das Jahr 2024.

Ein Lichtblick für die deutsche Weinwirtschaft war der Export. In einem schwierigen Marktumfeld konnte man sich zumindest im Wert behaupten (384 Millionen Euro), wobei die Menge um drei Prozent anzog. Die erzielten Preise sind also leicht gefallen.
Wohin geht deutscher Wein?
Trotz aller – berechtigter – Zollsorgen ging der Löwenanteil der Exporte in die USA. Laut Vorwort ein Sechstel des Werts der Exportware, die 126,4 Prozent Mengen-Anteil in der Tabelle sind ein offensichtlicher Druckfehler. Es folgen die Niederlande und Norwegen, keine Überraschungen. Platz vier, Polen, dagegen ist ein eher leiser, aber stetiger Abnehmer deutschen Weins. In ganz anderer Hinsicht überraschend ist Platz 7: Russland, mit deutlichem Zuwachs seit dem Vorjahr. War da nicht was?

Trotz eines total gesehen wiederum gesunkenen Bierkonsums hat der Marktanteil des hopfenhaltigen Getränks unter den alkoholischen Getränken so wie schon im Vorjahr zugenommen. Interessanterweise auch alkoholische Mischgetränke. Und Spirituosen blieben mit 27,8 Prozent recht stabil – auch hinsichtlich der absoluten Menge, die mit 5,1 Litern nur einen Zehntelliter unter dem Vorjahr lagen. Nicht nur hinsichtlich der totalen Menge Wein pro Deutschem gab es einen Rückgang, auch der Marktanteil des Kulturgetränks ist ein weiteres Mal gefallen, jetzt unter die 20-Prozent-Grenze.
Weniger Weinberge weltweit

Durch die veränderte Nachfrage gingen auch die Rebflächen in acht der zehn Ländern mit den weitläufigsten Weinbergen zurück. Nur Italien legte zart zu, Rumänien stagnierte. Spanien ist auf Platz eins mit den meisten Rebflächen, stolze 930000 Hektar sind dort mit Weinstöcken bepflanzt. Schier unglaublich, dass die Zahl bereits kontinuierlich gefallen ist: 2010 waren es noch gut eine Million, 1990 gar mehr als eineinhalb Millionen Hektar. Auf den Plätzen zwei und drei folgen wie gehabt Frankreich und China. Mit den erzeugten Mengen haben die Rebanpflanzungen allerdings nur bedingt zu tun. Nur Frankreich steht da ebenfalls auf Platz zwei, auf Platz eins aber Italien. Spanien befindet sich bei der erzeugten Weinmenge nur auf Platz drei, China gar auf Platz 15. Und Deutschland? Auf Platz neun. 2024 war hierzulande allerdings ein schwieriges Jahr, die Erträge lagen deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Verantwortlich waren Ertragseinbußen durch Spätfröste und Hagelschlag.

