unbekanntere Weinländer Brasilien Indien China Belgien

Unbekanntere Weinländer: indischer Riesling?

Brasilien

Weinbau gibt es in Brasilien zwar seit fast 500 Jahren, aber so richtig ernstzunehmen ist das Ganze erst seit ein paar Jahrzehnten. Im Vergleich zu Deutschland wird weniger als die Hälfte an Wein produziert, aber die Anbaufläche ist zuletzt wieder gewachsen. Der meiste Wein kommt aus dem kühleren Süden. Doch mit veränderten Anbaumethoden lässt sich mittlerweile auch im trocken-heißen Nordosten Wein keltern, und das sogar zweimal im Jahr. Die gewünschten Jahreszeiten werden gewissermaßen über Auf- und Zudrehen des Wasserhahns simuliert. So kann auf einem Feld gerade die Weinlese stattfinden, während auf einem benachbarten erst die Knospen austreiben. Auf diese Weise lässt sich die Winzer-Arbeit gut über das ganze Jahr verteilen.

unbekanntere Weinländer Brasilien
Grundsätzlich gibt es alle Weintypen

Aus diesem Landesteil, genauer aus dem Vale do São Francisco, kommt der Testardi vom Weingut Miolo. Der Syrah aus 2022 liegt kirschrot im Glas. Es riecht irgendwie nach dunklen Beeren, aber das Bouquet bleibt unpräzise. Die diffuse Aromatik setzt sich am Gaumen fort, jetzt eher in Richtung rote Früchte. Ausgeprägtes Tannin, ebenso die Säure, dabei kurioserweise aber recht feurig. Keine Tiefe, seltsamer Wein.

In der tropischen Mitte des Landes zwingt man die Reben durch doppelten Rebschnitt dazu, im Winter die Früchte reif werden zu lassen. Dann regnet es vor der Lese weniger. Aus diesem Gebiet kommt der 2024er Sauvignon Blanc vom Weingut Barbara Eliodora. Er leuchtet hellgelb und duftet nach Stachelbeere, Maracuja, Staudensellerie und Spargel. Nimmt man einen Schluck, außerdem grüne Paprika, deutliche Säure, weiche Textur. Hoher, aber gut eingebundener Alkohol. Für Freunde prägnanter Sauvignons keine schlechte Wahl. (weitere Weine aus Brasilien finden Sie hier)

China

Obwohl die Rebflächen dort riesig sind, hat das Reich der Mitte zuletzt laut OIV auch nicht viel mehr Wein gekeltert als Brasilien. Umso größer fällt die Neugier aus, wie die Gewächse von dort schmecken, meist handelt es sich um Rotweine.

Zum Beispiel aus Marselan, einer Kreuzung aus Cabernet Sauvignon und Grenache. Nach Frankreich, wo die Traube gezüchtet wurde, stehen die zweitgrößten Anpflanzungen davon in China. Dort hat man sich der Rebe besonders angenommen und sogar einen Marselan-Welttag gegründet, der jährlich am 27. April mit allerlei Verkostungen gefeiert wird.

Rotwein aus China
In China existiert ein Marselan-Welttag

Das Weingut Jade Vineyard sitzt im nördlichen Ningxia, dem größten Anbaugebiet Chinas. Sein 2021er Marselan riecht nach Brombeere und etwas brandig. Der Wein ist saftig, zeigt zumindest sensorisch eine zarte Süße, griffiges Tannin und eine zurückhaltende Säure. Dunkle Beeren, aber keine differenzierte Aromenausprägung, feurig. Kräftiger, nicht gut eingebundener Alkohol. Nicht das Wahre.

In Ordnung ist dagegen der 2021er Cabernet Franc desselben Weinguts. Kirschrot liegt er im Glas und duftet nach Wildkirsche und balsamischen Noten. Am Gaumen Gourmandise, weiche Textur, Kirsche, Cassis, ausgewogene Säure und Tannine.

Noch handelt es sich um unbekanntere Weinländer, doch vielleicht greifen wir schon bald am Weinregal zu indischen oder brasilianischen Flaschen genauso selbstverständlich wie zu neuseeländischen oder chilenischen. Dafür müssten die vorgestellten Weine allerdings erst einmal alle in Deutschland erhältlich sein. Mal schauen, wann es so weit ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert