Weinflaschen Vakuum Pumpen

Wein-Mythos, die Zweite

Wo es kompliziert wird, ist der Wein-Mythos nicht weit: Das Weinrecht lässt es an Komplexität nicht fehlen und Säuren gibt es auch verschiedene. Teil zwei der Wein-Mythen.

1. Ich vertrag keine Säure, deswegen trink ich nur Rotwein
Wein-Mythos Rotwein Säure Milchsäure
Auch rote Trauben enthalten Säure. Nur tritt diese am Ende nicht in den Vordergrund.

Eine oft gehörte Aussage bei Weißweinen, insbesondere Riesling, lautet: Der hat mir zu viel Säure. Was auch immer man davon halten mag: Dass Rotwein keine Säure enthält, ist ein Wein-Mythos. Oft sind es um die fünf Gramm. Also nicht weniger als viele weiße Weine – der Riesling geht häufiger auch mal ein bisschen darüber hinaus. Der Unterschied liegt jedoch mehr in der Art der Säure als in der Menge: Steht beim Riesling eine rassige Apfelsäure im Vordergrund, ist beim Rotwein durch die sogenannte malolaktische Fermentation die Apfelsäure in Milchsäure umgewandelt worden. Und die wird als wesentlich sanfter empfunden.

2. Halbtrockener Wein ist mir zu süß

Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Wenn zu süß, dann zu süß. Schade nur, wenn man wegen der Klassifikation „halbtrocken“ Weine stehen lässt, die phantastisch sind – und gar nicht halbtrocken schmecken.

Wein-Mythos Saar strukturierende Säure
Zum Beispiel Saarburg: Nicht alles, was halbtrocken ist, schmeckt auch so.

Halbtrocken bedeutet nach deutschem Weinrecht einen Wein, der bis 18 Gramm unvergorenen Zucker pro Liter haben darf, solange der Säuregehalt nicht zu weit zurückbleibt. Die Differenz von zehn Gramm muss mindestens eingehalten werden. Hat der Wein beispielsweise 12 Gramm Restzucker, müssen mindestens (!) zwei Gramm Säure da sein. Bei 18 Gramm Restzucker müssen es sogar acht Gramm Säure sein. Beispielsweise ein Riesling von der Saar, bei dem die Säure sehr prägend ist, schmeckt oft auch noch trocken, obwohl er rechtlich gesehen halbtrocken ist. Und: Zehneinhalb Gramm Restzucker (halbtrocken) von neun Gramm (trocken) unterscheiden, wenn bei einem Riesling sieben Gramm Säure da sind: Das ist mindestens herausfordernd. Manche Winzer nennen solche Weine dann „feinherb“. Rechtlich definiert ist dieser Begriff aber nicht.

3. Die offene Weißweinflasche bleibt durch Vakuum länger frisch
Weinflaschen Vakuum Pumpen
Jeder Weißwein ist anders: Pumpt man nur die Luft raus oder auch die Spritzigkeit?

Vakuumpumpen sind ein nützliches Tool. Ein richtiges Vakuum kann man mit den Plastikpumpen, die auf spezielle Gummistöpsel passen, zwar nicht herstellen. Aber doch zumindest den Sauerstoffgehalt in der angebrochenen Weinflasche erheblich reduzieren. Wo weniger Sauerstoff, da weniger Oxidationsgefahr. Stellt man den angebrochenen Wein zusätzlich in den Kühlschrank, kann man seine (Über-) Lebensdauer schon erheblich verlängern, bevor er oxidiert und untrinkbar wird. Was bei Rotwein Sinn macht, geht bei Weißwein dagegen oft nach hinten los. Viele Winzer versetzen ihre Weißen, die besonders frisch und spritzig schmecken sollen, nämlich mit Kohlensäure: Einfach Schlauch an den Edelstahltank und gib ihm. Solange man nicht so viel hinzugibt, dass es wie ein Perlwein aussieht, ändert sich ja auch nur an der Sensorik etwas. Sprich der Wein wirkt lebendiger. Mit einer Vakuumpumpe aber zieht man genau diese Kohlensäure wieder aus dem Wein raus. Vielleicht schützt man den Weißen damit vor Oxidation – aber die Spritzigkeit ist meist weg.

4. Wenn nichts auf dem Etikett steht, ist der Wein halbtrocken
Etikett Wein Flasche Angabe halbtrocken
Man muss die Zeichen lesen können: Bei diesem Weingut heißt die grüne Kapsel, dass der Wein „feinherb“ (halbtrocken) ist.

Viele eingefleischte Trocken-Trinker ärgern sich, wenn sie einen Wein aufmachen und dieser doch etwas Restsüße hat. Hier und da wird gerne die Mär erzählt: Wenn auf dem Etikett keine Geschmacksrichtung steht, dann ist der Wein halbtrocken oder „schlimmeres“. Leider handelt es sich hierbei um einen Wein-Mythos. Einzelne Winzer mögen das zwar tatsächlich so handhaben. Weinrechtlich gesehen ist die Angabe der Geschmacksrichtung (also indirekt des Restzuckergehalts) aber keine Pflicht, sondern allenfalls Kür. Das heißt, wenn nichts auf dem Etikett steht, kann der Wein im Grunde alles sein: trocken, halbtrocken, lieblich oder süß. Nur wer zum Beispiel trocken draufschreibt (Kann-Regel), der muss sich natürlich daran halten. Tipp: Auf den Alkoholgehalt achten. Ist dieser vergleichsweise niedrig, kann das ein Indiz für einen höheren Restzuckergehalt sein.

5. Wo Riesling draufsteht, ist auch nur Riesling drin

Zugegeben, dieser Wein-Mythos war bei Teil I der Weinmythen auch schon ein Thema. Zur Erinnerung: Die 85-Prozent-Regel erlaubt, dass man eine Rebsorte auf das Etikett schreibt, und trotzdem bis zu 15 Prozent von einer anderen Traube zufügen darf, solange der Charakter des Weines nicht merklich verändert wird. Wer das blöd findet, der kann zumindest – Achtung, Besonderheit! – beim Riesling nach dem Wort Hochgewächs Ausschau halten. Neben weiteren Kriterien ist bei dieser Klassifizierung auch vorgeschrieben, dass der Wein aus 100 Prozent Rieslingtrauben gekeltert wird.

Wein-Mythos Hochgewächs
Verwirrende Namensgebung: Das Hochgewächs wächst mitnichten besonders hoch.

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