Besondere Weinflaschen

Wein kommt immer in Dreiviertelliterflaschen aus Glas? Fast. Besondere Weinflaschen sind selten, dadurch fallen sie auf.

Besondere Weinflaschen Form Bierflasche klein
Vinho Branco heißt nicht Bier

Die meisten Weine kommen in Glasflaschen. Sie fassen 0,75 Liter. Und die Formen heißen: Bordeaux-, Burgund-, Schlegelflasche. Gerade weil wir daran gewöhnt sind, fallen andere Flaschen auf. Welche, die besondere Größen, besondere Formen haben oder aus anderem Material gefertigt wurden. Ich zeige euch einige Beispiele für besondere Weinflaschen.

Ich bin keine Bierflasche

Farbe, Form und zumindest in manchen Ländern auch die Größe sprechen für eine Bierflasche. Aber wer genau hinschaut, merkt: Hier ist Weißwein drin. Eigentlich eine praktische Sache, wenn man am Abend am Fluss spazieren gehen und sich einen Sundowner genehmigen möchte. Denn auch öffnen lässt sich die Flasche einfach und die Portion erscheint gerade richtig.

Ein handwerklich gemachter Charakterwein ist der portugiesische Cedro sicher nicht und damit kein Tropfen, den man im Sessel aus einem schönen Glas genießen möchte. Aber für den oben genannten Zweck tut er es allemal. Und man kann ihn wie ein Bier direkt aus der Flasche trinken. Easy going also.

Wir sind besondere Weinflaschen
Andere Flaschenformen Süßwein Zypern
Knick in der Optik: Süßwein aus Zypern

Diese besondere Weinflaschen sind echte Hingucker. Drin war Commandaria, ein zypriotischer Süßwein. Die eine: eine kegelförmige Flasche, bei der am unteren Ende ein Stück schräg abgeschnitten scheint. Die andere: hat die Form einer Brennblase. Darauf ein metallenes Etikett. Hat man so etwas schon gesehen?

Solche Flaschen wirft man nicht weg. Blumenvase, Wasserkaraffe, Zimmerpflanzen-Gießkanne? Auch wenn man nicht genau weiß, was man damit machen soll, sie in den Glascontainer zu werfen, bringt man nicht übers Herz.

Die Austro-Magnum
Besondere Weinflaschen
Doppler
Für den ganz großen Durst: Doppler

Angesichts des im Vergleich zu gängigen Flaschen gleich großen Ausgusses wirkt diese Flasche ziemlich aufgedunsen. Kein Wunder, passen doch stolze zwei Liter hinein. Die Bezeichnung Doppler, die in Österreich dafür üblich ist, bezieht sich also nicht auf das doppelte einer Normalo-Flasche, das wären „nur“ 1,5 Liter, also eine Magnum.

Augenzwinkernd wird diese alpenländische Besonderheit auch Austro-Magnum genannt. Trotz dieser sympathischen Eigenständigkeit ist der Doppler vom Aussterben bedroht. Wenig überraschend, denn wer setzt sich schon regelmäßig mit den Nachbarn vors Haus und leert zu mehreren eine solche Riesenflasche. Die Initiative „Doppler Affäre“ wollte eine Renaissance einleiten und bewusst gute Weine in das üppige Gebinde füllen.

Darunter Michi Lorenz aus der Steiermark. Der Weißburgunder war einwandfrei, aber anscheinend passierte doch das, was Affären eigen ist: Sie dauern nicht lange. Jedenfalls sucht man bei Winzer Lorenz den Doppler mittlerweile vergebens, genauso wie bei manch anderen Weingütern, die sich der Initiative angeschlossen hatten. Schade eigentlich, solch eine Flasche möchte man mal in der Hand, besser: in den Händen gehalten haben.

Karaffe oder Amphore?

Eins vorweg: Dieser Wein stand im Regal eines Supermarkts und ich habe ihn nicht probiert. Halbtrockener Rotwein braucht schon sehr gute Gründe, um attraktiv zu sein. Aber die Flasche zieht natürlich die Blicke auf sich.

Andere Weinflaschen Rotwein Republik Moldau
Ich bin eine Amphore

Denn „Flasche“ trifft allenfalls in dem Sinne zu, dass es sich um ein gläsernes Gefäß handelt, in dem Wein aufbewahrt wird. Aber die Form und, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, auch die Größe weichen doch erheblich davon ab. Die geschwungene Form ist hübsch und erinnert an eine Amphore. Auch manche Wasserkaraffen sind so geformt. Sicher auch eine Flasche, die man nicht wegwerfen würde.

Der breite Ausguss hat einen gewissen Charme. Die Republik Moldau, aus der der Rote stammt, ist ein Land, das für seine Größe sehr viel Wein anbaut. Allzu viel kommt davon bisher nicht bei uns an. Vielleicht ändert sich das, falls das Land in die EU aufgenommen wird. (Warum in einem Stollen des Landes Weinflaschen von Hermann Göring lagern, lesen Sie hier)

Ton, Steine, Steingut

Warum müssen Weinflaschen immer aus Glas sein? Dass auch Ton ein würdiges Material ist, haben einzelne Weingüter für sich entdeckt. Im Weinregal unbedingt ein Hingucker. Zudem ist der Inhalt absolut lichtgeschützt. Und wegwerfen wollte man solch eine Flasche sicherlich auch nicht, insbesondere wenn sie so ansprechend bedruckt ist wie der Moma genannte Naturwein des serbischen Weinguts Bikicki.

besondere Flaschen Formen Wein Steingut Ton
Ziemlich undurchsichtig: Moma aus Serbien

Auch der Inhalt überzeugt. Aufgrund der Gerbstoffe, die durch Maischestandzeit in den Weißwein gelangt sind, bietet er sich besonders als Speisenbegleiter an.

Ein schönes Exemplar dieser Flaschenart lässt sich auch beim österreichischen Weingut Soellner besichtigen. Der „irden“ reift in irdenen Tanks, also solchen aus gebranntem Ton. Als Reminiszenz daran wird er danach in ebensolche Flaschen gefüllt. Diese seien gar nicht so teuer, heißt es vom Weingut, eine koste einen Euro. Relativ teuer dagegen fällt der Siebdruck aus, mit dem die Oberfläche bedruckt wird, was ebenfalls mit einem Euro zu Buche schlägt.

Aber das Ergebnis sieht tatsächlich sehr edel aus. Auch diese Weißwein-Cuvée bietet sich durch seine Bittere und viel Grip vor allem als Essensbegleiter an.

0,62 Liter

Flaschengrößen gibt es eine ganze Menge. Einher geht damit die Frage, warum man sowas macht und wie die Flaschengrößen genannt werden. Und wer sowas mutmaßlich kauft (das lesen Sie hier). Allerdings haben jene Flaschen immer relativ nachvollziehbare Inhalte, also so etwas wie 0,75 oder 1,5 Liter. Anders diese Flasche hier, die fasst 0,62 Liter und hat einen eigenen Namen: Clavelin.

Weinflasche Steingut Irden Material Steingut
Irden das Gefäß, kernig der Inhalt

Gefüllt wird darin nur Vin Jaune, der Gelbe Wein aus dem französischen Jura. Der sogenannte Wein der Könige ist sehr besonders, unter anderem, weil er unter einer Hefeschicht reift.

Darin ähnelt er dem Sherry, aber hier wird kein hochprozentiger Alkohol zugesetzt, also nicht aufgespritet. Und dann muss der Wein aus der Savagnin-Traube über sechs Jahre reifen, bevor er in den Verkauf darf. In dieser Zeit verflüchtigt sich eine ganze Menge des Weins durch die Dauben der Holzfässer, die absichtlich nicht aufgefüllt werden, damit sich die Hefeschicht ansiedeln kann. Ungefähr 38 Prozent verdunsten, der sogenannte Angels‘ Share. Diesem Verlust soll das Clavelin gerecht werden, indem es die verbliebenen 62 von Hundert fasst. Und, na ja, der Wein ist auch recht teuer und intensiv, eine kleinere Flasche also auch deswegen sinnvoll.

Gut ist etwa der von der Domaine de la Tournelle vom Foto. Das ist in Arbois, einem Zentrum des Jura-Weinbaus, der auch andere gute und seltene Weine hervorbringt (welche, lesen Sie hier).

Besondere Größe Weinflasche 0,62 Liter Vin jaune Clavelin
Schon mal 0,62 Liter gekauft?

Und welche besondere Weinflaschen sind Ihnen schon untergekommen? Schreiben Sie es in den Kommentar!

Ein Kommentar

  1. Die Flasche des Weins aus Moldau erinnert mich an die Supermarkt-Weine von Gallo/Kalifornien in den 1990ern. 😉

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