Französischer Wein Verwechslungen Geographie Namen

Frankreich, schwierig Rebenland

Wenn französischer Wein Verwechslungen und Missverständnisse auslöst, sind das Nebenwirkungen einer großen Vielfalt

Neulich erzählte uns eine Bekannte aus der gehobenen Gastronomie, dass ein Gast eine Flasche Chablis bestellen wollte, der aber leider aus war. Stattdessen bot die Sommelière einen von der Stilistik und Wertigkeit vergleichbaren Chardonnay an. Chardonnay mag ich aber nicht!, sei die Antwort der Dame am Tisch gewesen.
Nun gut, mag man einwenden, nicht jeder kann wissen, dass ein Chablis zwar immer aus Chardonnay gekeltert, dies aber nicht auf dem Etikett vermerkt wird. Und vielleicht hatte die Dame ein ganz anderes Konzept dieser Rebsorte abgespeichert als jenes, das für einen stahligen Chablis typisch ist. Insofern kann man in dem Fall recht eigentlich nicht sagen, dass französischer Wein Verwechslungen hervorgerufen hat, vielmehr schien er der Dame unverwechselbar zu sein. Nennen wir das Ganze der Einfachheit halber den Chardoblis-Effekt.

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Wer’s weiß, ist selig: Drei Weine aus Burgund, aber nur der mittlere nennt Region, Untergebiet und Rebsorte.

Irren ist menschlich und wir haben hier ein paar Dinge zusammengetragen, die uns selbst einmal Schwierigkeiten bereitet haben, wenn auch nicht wegen des Chardoblis-, sondern nennen wir ihn mal Kläschma-Effekts: KLingtÄhnlichSCHMecktAnders.

Muscadelle, Muscadet, Muscat: Wie französischer Wein Verwechslungen hervorruft

Als Student mochten wir im Auslandssemester in Frankreich sehr gerne Muscat. Das Konzept, das wir ausschließlich davon hatten, war: weiß, süß, kalt, fruchtig. Da der Wein bei der uns bekannten Bezugsquelle relativ teuer war, schlugen wir sofort zu, als wir etwas vermeintlich Vergleichbares in einem anderen Geschäft günstiger fanden. Der erste Schluck lehrte uns Saures: Das war ein total trockener Wein, wenig Frucht und in keinster Weise das, was wir gerne mit Kommilitonen aus kleinen Gläsern schlürften und uns hinterher die Lippen leckten. Muscadet stand auf dem Etikett. Und so lernten wir, dass Muscadet (meistens aus dem Herkunftsgebiet Sèvre et Maine) ein trockener Weißwein von der Loire ist (und mit Muscat nichts zu tun hat, die Rebsorte heißt Melon de Bourgogne). Während Muscat de Rivesaltes, den wir meinten gekauft zu haben, ein Vin Doux Naturel, ein aufgespriteter Süßwein ist.
Aber die Rebsorte Muscat ist recht eigentlich eine riesige Familie, in der es unter vielen anderen die Untersorten Muscat blanc à petits grains und Muscat d’Alexandrie gibt, die beide im studentisch beliebten Muscat de Rivesaltes enthalten sind (und die man natürlich auch anders ausbauen kann). Weder mit Muscadet noch Muscat zu tun hat dagegen die Muscadelle. Sie ist eine der Rebsorten, die in den Sauternes kommen, dem berühmten Süßwein aus dem Bordelais.

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Wie beim Domino: Eine Erkenntnis zieht die nächste nach sich!
Wer das Weinland Frankreich verstehen will, muss die Landkarte studieren

Bevor wir erstmalig einen Sauternes probiert haben – und das war deutlich nach der Studentenzeit –, merkten wir irgendwann, dass da so ein anderer Weinname herumspukte, mit dem wir auch nicht so richtig etwas anfangen konnten: Sancerre. Klingt eigentlich gar nicht so ähnlich wie Sauternes, aber wenn man den einen Ausdruck einmal hört und den anderen vielleicht ein halbes Jahr später, kann es schon passieren, dass man denkt: Haben wir das nicht schon mal gehört? Wer gerne die Landkarten Frankreichs studiert, der versteht auch gleich eine Menge mehr von den Weinen dieses Landes, denn sowohl der eine als auch der andere Wein ist nach einer Gemeinde benannt. Sancerre ist nicht nur vom Weinstil, sondern auch geographisch total weit weg von Sauternes. Es liegt am oberen Lauf der Loire und dort wird aus Sauvignon Blanc der frische, mineralische, nur leicht fruchtige und vegetabile Weißwein gekeltert, dem der Ort seinen Namen gegeben hat.

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Wer geographisch den Überblick hat, ist klar im Vorteil!

Während um Sancerre Kalkböden vorherrschen, liegt direkt gegenüber, bei Pouilly-sur-Loire am anderen Flussufer, Feuerstein in der Erde. Manche sagen, wegen dieses pikant-rauchigen Tons nenne man die Weine aus diesem Herkunftsgebiet Pouilly-Fumé (fumé: räuchrig). Es gibt aber auch noch andere Theorien. Die Hauptrebsorte jedoch ist auch hier Sauvignon Blanc. Was so nah beieinander liegt, ist sprachlich klar getrennt. Dagegen hat Pouilly-Fuissé, trotz aller klanglichen Nähe, rein gar nichts mit dem zuvor genannten Anbaugebiet zu tun: Kläschma-Effekt in Reinform.

Was ähnlich klingt, kann manchmal unterschiedlicher kaum sein

Pouilly-Fuissé ist ein geschütztes Herkunftsgebiet im Osten Frankreichs und gehört zum großen Anbaugebiet Burgund, Untergebiet Maconnais. Die Rebsorte für den Pouilly-Fuissé ist der Chardonnay. Ansonsten wird im Maconnais auch Rotwein gekeltert, vorzugsweise aus den Rebsorten Gamay und Pinot Noir.
Apropos Pinot: Als Student schätzten wir auch den Pineau des Charentes. Vermutlich kein Zufall, dass er geschmacklich in eine ähnliche Richtung geht wie der Muscat de Rivesaltes. Der Pineau des Charentes ist rechtlich gesehen ein Likörwein, bei dem frischer Most mit Cognac aufgespritet wird. Mit Pinot, Burgunder, hat der verstärkte Trunk aus dem Westen des Landes jedoch gar nichts zu tun. Auch hier muss man wohl sagen, dass französischer Wein Verwechslungen provoziert, da Pineau und Pinot in der Aussprache absolut identisch sind. In dem Fall gab es bei uns jedoch keine Missverständnisse: Die Zeit für Burgundersorten, insbesondere Spätburgunder, war in den Studentenjahren ohnehin noch nicht gekommen. (Spätburgunder, später: Ahrwein des Jahres 2016) Und da Chablis auch kein typischer Studentenwein ist, blieb uns auch der Chardoblis-Effekt erspart.

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Frankreich ist weit, schön und erschließt sich seinem Besucher nur nach und nach.

Frankreich ist ein großes und ja, ein kompliziertes Weinland. Wenn man die Nebenwirkung akzeptiert, dass französischer Wein Verwechslungen und Missverständnisse auslösen kann, dann gibt es im Gegenzug so viel zu entdecken!

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