Unbekanntere Weinländer, das waren Anfang der 90er noch Chile oder Neuseeland. Heute drängen auch Herkünfte wie Brasilien oder Belgien auf den Markt. Können die Weine was?
Der weltweite Weinkonsum fällt seit Jahren. In einigen berühmten Weingegenden wie Bordeaux werden wegen der schwächelnden Nachfrage Rebflächen bereits gerodet. Gleichzeitig keltern und vertreiben unbekanntere Weinländer Tropfen, die man bisher nicht auf dem Zettel hatte. Auch wenn einiges erst einmal ungewohnt klingt, wird über Top oder Flop im Glas entscheiden: Hier kommen vier Weine, die Sie probieren, und vier, die Sie besser meiden sollten.
Belgien

Beginnen wir vor der Haustür. Belgien hat in den letzten Jahren einige Stufen erklommen, um sich als aufstrebendes Weinland zu präsentieren. Mittlerweile verzeichnet es acht Geschützte Ursprungsbezeichnungen, also so etwas wie Qualitätsweingebiete. Es gibt rund 300 Weingüter und mittlerweile ist das Land auch im weltweit meistverkauften Weinführer („Der Kleine Johnson“) mit einem kurzen Kapitel vertreten (lesen Sie hier ein Interview mit der Herausgeberin). Aus deutscher Perspektive rangiert der Nordseeanrainer aber sicherlich unter: unbekanntere Weinländer.

Das Wijnkasteel Genoels-Elderen liegt etwa 30 Kilometer nördlich von Lüttich, aber schon in Flandern. Um das schmucke Schlösschen erstrecken sich Anpflanzungen von Chardonnay und Pinot Noir. Das familiengeführte Gut produziert mehrere Schaumweine, was in eher kühlen Klimazonen recht gut funktioniert. Daher gilt es herauszufinden, ob auch die flämischen Stillweine etwas können.
Einer davon ist der 2018er Pinot Noir Rood Vogelsanck, wobei Rood für die Farbe des Etiketts steht. In mittlerem Rubinrot mit schwärzlichem Kern liegt der Wein im Glas. Erst verhalten, nach kräftigem Schwenken zeigen sich dann dunkle Beeren, Wildkirsche, rauchige und erdige Töne. Am Gaumen eine samtige Oberfläche, das Tannin allerdings etwas unstrukturiert und die Säure ziemlich müde. Der Pinot wirkt feurig wärmend, es mangelt an Kühle und Finesse. Dafür muss man nicht nach Belgien fahren.

Anders der 2020er Wijngaardveld Chardonnay Goud, also mit goldenem Etikett. Er zeigt sich strohgelb und duftet nach Toast, Pilzen, Rauch, geschwenkt auch nach weißen Früchten. Nimmt man einen Schluck, kommen Limette, Pfirsichkompott, Haselnüsse und Joghurt hinzu. Weinig mit präsenter Säure und schönem Schmelz. Bei diesem Wein bekommt man große Lust, das hübsche Wein-Kastell einmal zu besuchen.
Indien
Wer findet, dass Belgien für unbekanntere Weinländer nicht experimentell genug erscheint, mag vielleicht wissen wollen, wie Wein vom indischen Subkontinent schmeckt. Aus den Nandi Hills, das ist nördlich von Bengaluru, kommt der Riesling des Weinguts Grover Zampa. Auf etwa 900 Metern über dem Meeresspiegel ist das Klima vergleichsweise gemäßigt.

Der 2024er Art Collection Riesling von dort zeigt sich hellgelb mit grünlichen Reflexen und riecht zitrisch, aber nicht genauer definierbar. Einmal durchgeschwenkt dann Aprikose, herbe Frucht und Gemüseregal. Der Wein hat durchaus Säure, aber schmeckt diffus pflanzlich und etwas künstlich. Sicherlich nichts, was man sich unbedingt in den Keller legen möchte.
Der 2019er Signet Shiraz aus dem 2000-Liter-Fuder liegt dagegen kirschrot im Glas und duftet nach dunklen Früchten und Brombeerblatt. Am Gaumen deutliches Tannin, ausreichend Säure, saftig. Dunkle Beeren, Würze – insbesondere zu einem kräftigen Stück Fleisch passt dieser indische Rotwein sicher sehr gut.

