Weinflasche ohne Etikett

Fall auf und ich trink dich?

Weinflasche ohne Etikett
Wie soll der Wein heißen? Es gibt nichts, was es nicht gibt.

Jeder kennt vermutlich den Scherz vom fabelhaften „Château Migraine“. Kein Witz: Bei einem großen Internethändler kann man diesen Wein tatsächlich kaufen. Er ist dort als Grand vin misérable ausgezeichnet, als Dernier cru einer Appellation souterraine pas controlée. Allerdings ist das Front-Etikett ein Scherz und das auf der Rückseite gibt Auskunft darüber, um welchen Bordeaux es sich in Wirklichkeit handelt.

Wer diesen Wein geschenkt bekommt, wird sicherlich einen Moment verwirrt das Etikett anstarren, zumal dieses in der Gestaltung ziemlich seriös daherkommt (siehe dazu auch den Blogbeitrag Etiketten und Etikette). Und dann in gelöstes Lachen ausbrechen. Jedoch auch fernab von Scherzartikeln dieser Machart gibt es Weinnamen, bei denen sich der geneigte Betrachter fragt, was es damit nun auf sich hat.

Ein Wein für Cineasten?
skurrile Weinnamen, Wein aus dem Montsant in Spanien
Tiere schauen dich an: Dos pájaros.

Ein anderer Internethändler preist in schöner Regelmäßigkeit einen spanischen Wein namens „Tarantinto“ an. Vino tinto ist Rotwein, Tarantino ein Filmregisseur. Und Tarantinto? Wir wissen es nicht. Die Bezeichnung auf dem Etikett macht den Inhalt  sicher nicht besser oder schlechter als er ist. Vielleicht scheint es ein bisschen so, als ob hier ein Name seinen Käufer sucht, nicht in erster Linie ein Wein.

„2 pájaros“, zwei Vögel, ist ein Roter aus dem Montsant benannt. Wir haben ihn trotzdem gekauft. Denn wir kannten und mochten bereits andere Weine der Winzergenossenschaft. So sind wir denn auch zu der Geschichte hinter dem Namen gekommen, zwei Weinmacher, zwei komische Vögel oder so ähnlich. Na gut.

skurrile Weinnamen australischer Rotwein
Hoch hinaus in New South Wales: „Climbing“.

Vermutlich gibt es zu jedem skurrilen Namen die Geschichte dahinter. Und vermutlich soll der geneigte Weinfreund sich auch genau diese Frage stellen.

Gesteigerte Freude scheinen derzeit die Australier an Aufmerksamkeit heischenden Weinnamen zu haben. „Climbing“ heißt etwa ein Shiraz aus New South Wales, auf dessen Etikett ein paar vorgestrige Herren in ebensolchen Badkleidern zu sehen sind, die recht lange Holzleitern emporsteigen. Sicher gibt es hier auch eine Geschichte hinter den Leitern. Man könnte auf der Homepage nachschauen. Oder eine Suchmaschine befragen.

 

skurrile Weinnamen, australischer Wein
Allerlei Getier und ein Himmelskörper: „Wightmare“.
Schlangen, Totenköpfe, Untergang

Oder warum wartet ein Grenache aus dem McLaren Vale mit dem Namen „Tarot“ auf, auf dessen Etikett in Manier der bei diesem Spiel verwendeten Karten gezeichnete Totenköpfe und eine Schlange abgebildet sind? Vielleicht hat dem Winemaker jemand eine Séance gelegt und offenbart, dass er diese Rebsorte an diesem Ort pflanzen soll?

Eine Schlange gibt es auch bei einem anderen Wein aus derselben Kellerei. Diese windet sich um ein Pferd, das wiederum von einem Adler mit den Krallen in die Lüfte gezogen wird. Und wie heißt dieser Wein? „Wightmare“. Ach so.

Kaum positiver kommt der Wein mit dem Namen „Mother’s ruin“ rüber. Auch der Stich, der das Etikett zieren soll, ist eher verstörend: Eine Frau mit zerrissener Kleidung, wirrem Haar und entblößter Brust sitzt in einer mittelalterlichen Straßenszene auf dem Boden. Ziemlich morbide für einen Wein! Oder originell?

 

Schießende Frauen und verrückte Fische
skurrile Weinnamen, australischer Shiraz aus Victoria
Waidfrausheil: Dame auf der Suche nach dem Sonntagsbraten.

Originell wird es auf jeden Fall bei dem Shiraz aus dem australischen Victoria, Achtung: „Ladies who Shoot their Lunch“. Aha! Darauf abgebildet, es ist ein sprechendes Etikett, eine Dame im grünen Rock, das Gewehr geschultert, den Hund an ihrer Seite und ein paar Enten sowie ein Hirsch, die sich als potentielle Beute anbieten.

Bleiben wir bei den Tieren: „Mad Fish“. Allerdings sieht die abgebildete Schildkröte auf dem Etikett dieses Chardonnays aus Western Australia wesentlich verrückter aus als der kleine Fisch, den sie anstarrt. Vielleicht gibt es ja aber einen Fisch in dieser Gegend, der sich vordergründig verrückt verhält? Wir wissen es nicht. Wir interessieren uns für Wein.

Skurrile Weinnamen in Deutschland
skurrile Weinnamen, australischer Chardonnay aus McLaren Vale
Verrückt: Der Namensvielfalt sind keine Grenzen gesetzt.

Klar, es gibt beispielsweise bei deutschen Erzeugnissen eine Menge skurrile Weinnamen. Jeder kennt den legendären Krötenpfuhl, die Gärkammer, den Nacktarsch oder das Steingebiss. Auch hier hätte man etwas anderes wählen können, aber es handelt sich eben um die Namen der entsprechenden Lagen, und die lauten nun einmal so, wie sie sind und das hat meist historische Gründe. Der Nacktarsch beispielsweise hat mitnichten etwas mit dem Gesäß zu tun, sondern mit einem Felsen. Zugegeben: Wer das nicht zufällig weiß, wird sich womöglich über die skurrile Namenswahl genauso wundern.

Jeder Jeck ist anders, heißt es in Köln. Und wer auf besonders entlegene Namen steht, der wird auf jeden Fall fündig. Doch entschieden wird letztlich bei dem, was ins Glas kommt.

(siehe auch Skurrile Weinnamen II)

5 Kommentare

  1. Haha, der Artikel war echt super. Tarantinto ist gar nicht schlecht. Ich habe kürzlich erst einen Rotwein gekostet, der auch einen tollen Namen hatte, der ist mir leider wieder entfallen. Den Shiraz mit der Lady kenne ich auch.

  2. Habe mit viel Vergnügen die Weinartikel gelesen, es ist erstaunlich, was sich alles um den Wein rankt. Eine Wissenschaft für sich!

  3. Bitte um Hilfe: Geburtstagsgeschenk: eine Ballonfahrt.
    Meine Bitte an die Namensspezialisten: gibt es einen Wein ( rot oder Weiß ) in dessen Etikett oder Namen ein Bezug dazu ist.

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