Britischer Schaumwein

Man hört viel Gutes vom Schaumwein von der Insel, getrunken haben ihn hierzulande die wenigsten. So schmeckt britischer Schaumwein – und ein Stillwein.

britischer schaumwein Küste Schiff
So kann man sich England und seinen Weinen nähern.

Mittlerweile ist es kein Geheimwissen mehr, dass britischer Schaumwein richtig gut – sein soll. Erhältlich sind viele der Gewächse hierzulande zwar schon, aber ein bisschen suchen muss man schon. Und viele Menschen geben angesichts der mit Champagner vergleichbaren Preise ihr Geld dann doch letztlich für Champagner aus. Wer trotzdem mal etwas Neues ausprobieren möchte, sollte ungefähr wissen, worauf er sich einstellen darf.

Hattingley Valley

Bevor nur noch Schaumweine kommen, sei an erster Stelle zumindest ein Stillwein erwähnt. Den gibt es von dem Weingut aus Hampshire übrigens nicht immer, sondern nur in warmen Jahren. Es ist eben immer noch relativ frisch in England: Was für Schaumwein perfekt ist, reicht bei Stillwein nicht immer aus. Der 2020er, der schlicht Still White heißt und komplett aus Chardonnay besteht, ist hellgelb mit strohgelben Reflexen und duftet nach gelbem Steinobst sowie Honigmelone. Nimmt man einen Schluck, tritt Pomelo hinzu. Ein erfrischender Wein, durchaus mit einer straffen Säure ausgestattet.

Schild Dose Reims Wegweiser
England ist noch weiter weg, aber im Geiste der Champagne sehr nah.

Der Basis-Schaumwein des Gutes heißt Classic Reserve, besteht wie Standard-Champagner aus Pinot Noir, Chardonnay und Meunier und kommt auch ohne Jahrgang aus. Das meiste soll aus 2015 stammen, der Rest bis 2011 zurückgehen. Dem Glas entsteigt ein Duft von gebräuntem Hefegebäck, Weinkeller sowie laktische Noten. Am Gaumen dann Winterapfel, Brioche, Reifetöne. Die Säure ist angenehm eingebunden, ein süffiger, sehr gelungener Schaumwein.

Der Rosé ist ein lachsrosa britischer Schaumwein, der nach Zwieback und roten Beeren duftet. Er schmeckt nach Himbeere und etwas kitschig-fruchtig, die Säure ist deutlich. Dieser Rosé überzeugt nicht so richtig.

Der Blanc de Blancs ist ein Jahrgangs-Schaumwein aus 2014. Hefige und laktische Noten entsteigen dem Glas, am Gaumen dann feine helle Frucht. Nicht schlecht, aber es fehlt etwas an Struktur.

Gusbourne
Kent Hafen England
Very Kentish kann auch Schaumwein sein.

Dieses Haus, das Reben in Kent und Sussex bewirtschaftet, setzt auf Jahrgangs-Schaumwein. Das Standard-Produkt Brut Reserve wird ebenfalls aus den Klassikern Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier gewonnen. Der 2018er duftet nach Toast, Gelbfrucht und Sahne. Dieser britische Schaumwein ist angenehm saftig im Mund, Säure und Restsüße sind gut balanciert. Relativ langer Nachhall.

Der Blanc de Blancs 2018 zeigt eine angenehme Nase nach Weinkeller, nassem Stein und Hefekuchen. Der Wein verfügt über eine vitale Säure: fordernd, aber nicht schwierig. Aromen von Brioche, grüner Birne, Limettensaft und sanft hefige Noten ergänzen das Geschmackserlebnis. Schön.

Ebenfalls aus 2018 ist der Blanc de Noirs, der nur zarte Hefenoten zeigt und leichte Rotfrucht sowie weiße Blüten. Am Gaumen überzeugt eine tolle Struktur, unterlegt mit einer passgenauen Säurespur, leichte Rotfrucht, zart hefige Töne. Ein gelungener Wein.

britischer schaumwein Gusbourne
Bei weitem nicht alles, was man in England kennen sollte.

Der Rosé 2018 besteht aus Pinot Noir, Chardonnay und Meunier und ist mit fünf Prozent Pinot-Stillwein verschnitten worden. Laktische Noten und etwas Brioche entsteigen dem Glas, am Gaumen ist dieser britische Schaumwein weniger säuregetrieben, gefälliger, trotzdem appetitanregend, insgesamt fruchtiger. Nett.

Roebuck Estates

Ebenfalls aus den drei klassischen Rebsorten besteht die Classic Cuvée ohne Jahrgang. Diese darf volle drei Jahre auf der Hefe und nach dem Degorgieren noch einmal sechs Monate im Keller ruhen, bevor sie auf den Markt kommt. Der Schaumwein steht strohfarben im Glas und duftet nach Weinkeller, Nüssen und Brotkruste. Am Gaumen eine sehr präzise Säure und ein Geschmack von Hefegebäck und Limette.

Der Blanc de Noirs zeigt ebenfalls ein schönes Strohgelb und riecht nach herbem Apfel und Käse. Nimmt man einen Schluck, ist da viel Hefegebäck und eine bitzelnde Säure, die durch eine angenehme Mineralität gepuffert wird. Cremige Perlage.

England Böden Kreide Britischer Schaumwein
Von Kreide geprägte Böden, auch das kennt man von der Champagne.

Sehr wenig Farbe zeigt der Rosé de Noirs, die Nase meldet etwas Rotfrucht und frisches Buttergebäck. Am Gaumen sehr sanft aufschäumend, feine Frucht, angenehm strukturiert.

Nyetimber

Ebenfalls aus den üblichen Rebsorten besteht die Classic Cuvée des Hauses Nyetimber, die auch drei Jahre auf der Hefe reifen durfte. Herbe Fruchtaromen entsteigen dem Glas. Dieser britische Schaumwein entfaltet am Gaumen einen sahnigen Eindruck, mit der Illusion von etwas Süße. Brioche-Noten treten hinzu, alles relativ mild und vielleicht eine Spur zu gefällig.

Der 2014er Blanc de Blancs zeigt eine verhaltene Nase und am Gaumen etwas Gelbfrucht sowie feine Zitrik. Nicht schlecht, aber ein klein bisschen langweilig.

Oxney Organic Estate

Einen schönen Bio-Schaumwein von Oxney habe ich bereits an anderer Stelle vorgestellt.

Fazit: Britischer Schaumwein ist in vielen Fällen durchaus überzeugend und sicherlich nichts, was man als Kuriosität abtun sollte.

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