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Wein-Mythen gibt es viele. Einige davon liegen im komplizierten Weinrecht begründet. Aber manche sind einfach nur skurril.

  1. Je tiefer die Einbuchtung am Flaschenboden, desto besser der Inhalt
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Gute Weine, tiefe Einbuchtung? Letzteres ist leider egal.

Wer von der riesigen Auswahl im Weinregal erschlagen wird, entscheidet meist nach Etikett – oder klammert sich an vermeintliche Weisheiten. Dass aber die Güte des Weins mit der Vertiefung am Flaschenboden zu tun hat, ist Humbug. Der Einstichboden, so der Fachbegriff, dient bei Sektflaschen der Stabilität. So kann sich der Kohlensäuredruck besser verteilen. Bei Wein ist die Einbuchtung nur Design-Element und kann allenfalls beim eleganten Einschenken als Griff benutzt werden. Eigentlich schade, dass es doch nicht so einfach ist, Qualität zu erkennen.

 

  1. Der Wein singt beim Eingießen „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“
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Champagner-Flaschen brauchen tiefe Einbuchtungen: Glasbläser in der Kathedrale von Reims.

Zugegeben, mit etwas Phantasie wirkt es nachvollziehbar. Wer aus einer frisch entkorkten Bordeauxflasche – entscheidend ist die Form – einschenkt, hört eine zunächst beständig ansteigende Melodie gleich langer Noten, die dann von der fünften bis zur achten auf einer Tonhöhe bleiben: Genau wie das Kinderlied „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“. Allerdings ist die melodische Ader des Weins mit dem zweiten Takt ausgeschöpft, während es bei dem Volkslied in der Folge durchaus abwechslungsreicher zugeht. Trotz allem: einer der  schönsten Wein-Mythen.

 

  1. Trockener Sekt enthält genauso wenig Zucker wie trockener Wein
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Wo ist die Grenze für trocken?

Die Aufschrift trocken, sec oder dry auf einer Flasche Sekt bedeutet nicht dasselbe wie „trocken“ bei Wein. Trockene Weine dürfen bis zu neun Gramm Restzucker pro Liter haben, bei einem trockenen Schaumwein sind es 17 bis 32 Gramm. Deshalb gibt es bei Sekt, Crémant und Champagner noch vier weitere Klassifizierungen unterhalb von trocken: extra sec (extra trocken, 12-17g/l), brut (herb, unter 12g/l), extra brut (extra herb, 0-6 g/l) und brut nature (naturherb, 0-3g/l). Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass die enthaltene Kohlensäure Schaumwein herber schmecken lässt – genauso wie eine niedrige Trinktemperatur. Im Zweifelsfall einfach zu brut greifen.

 

 

  1. Portwein gibt es nur aus Portugal

Bei Port handelt es sich um eine geschützte Ursprungsbezeichnung. Da versteht das Instituto dos Vinhos do Douro e Porto keinen Spaß.

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Frage an Radio Eriwan: Kommt Portwein immer aus Portugal? Im Prinzip ja!

Allerdings gibt es durchaus Erzeugnisse, die dem Port sehr ähnlich sind. Wer einen Likörwein sucht, der nach Port schmeckt, aber nicht aus Porto kommt, kann sogar bei einzelnen deutschen Winzern fündig werden. Man muss ein bisschen suchen nach der Spezialität mit Aromen von dunklen getrockneten Früchten und Nüssen, aber das Internet hilft einem dabei. Oder man bleibt einfach beim Original.

 

  1. Wo Merlot draufsteht, ist auch nur Merlot drin

Sortenreiner Wein ist oft gar nicht sortenrein. Etikettenschwindel? Das Weinrecht macht es zumindest möglich! Selbst wenn der Winzer nur eine einzelne Rebsorte ausweist, muss der Wein nicht zwingend zu 100 Prozent daraus gekeltert sein. Laut deutscher und europäischer Weingesetzgebung darf auf dem Etikett zum Beispiel Merlot stehen, wenn mindestens 85 Prozent des enthaltenen Weins aus dieser Traube gewonnen wurden. Ausschlaggebend ist, dass die angegebene Rebsorte den Geschmack bestimmt. Diese Regel gilt übrigens auch für Lagen und Jahrgänge!
(siehe auch Skurrile Weinnamen II)

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