Saar-Riesling Johann Peter Mertes Kanzem

Saar-Riesling: Jahrgang 2018

Beim „Saar-Riesling-Sommer“ zeigten die Winzer vor allem Weine aus dem heißen Jahr 2018. Wir stellen einige Weine vor.

Saar-Riesling
Was kommt dieses Mal ins Glas? Spiegelung im Weingut Würtzberg in Serrig.

Der Jahrgang 2018 stand im Zentrum des diesjährigen Saar-Riesling-Sommers, dem zentralen Wein-Event an der Saar. Viel ist über den Jahrgang 2018 schon im Lesejahr selbst diskutiert worden: Wie sind die Winzer mit der Hitze umgegangen? Würden die Weine zu schwer werden? Würde man die Frische erhalten können? Für das Untergebiet Saar des Anbaugebiets Mosel kann man zusammenfassend feststellen: Die Weine sind wirklich gut geworden. Wenn nicht anders angegeben, geht es bei den vorgestellten Weinen um den Jahrgang 2018 und die Rebsorte Riesling!

Klagen auf hohem Niveau
Saarburg Rausch Weinlage
Hier hat Geltz-Zilliken einige Reben stehen: Saarburger Rausch.

Der Gutswein vom Weingut Forstmeister Geltz Zilliken hat tatsächlich Kraft, die teilweise sicher dem heißen Sommer 2018 geschuldet ist. Aber bei dem Einstiegs-Saar-Riesling, den das Weingut auch in der Literflasche anbietet, ist das Klagen auf hohem Niveau. Auch kraftvoll, aber dabei kühl präsentiert sich der Ortswein aus Alten Reben: etwas Blumenwiese im Bukett sowie herber Apfel und eine zitrische Prägung. Der Wein ist jetzt schon sehr schön, eignet sich bestimmt aber für weitere Flaschenreife. Bei den feinherben Rieslingen gefällt schon der allenfalls vom Namen her etwas gewöhnungsbedürftige „Butterfly“: gelber Apfel, Zitronenzeste, ein saftiger Wein für relativ kleines Geld. Mehr kostet freilich der feinherbe Rausch Diabas, also aus der Großen Lage Saarburger Rausch stammend. Aprikosen- und Melonenaromen gibt es hier, eines feines Spiel von Mineralität, Süße und Säure und eine kühle Eleganz.

Saar-Riesling Forstmeister Geltz Zilliken
Z ist einfach kürzer als Weingut Forstmeister Geltz Zilliken.
Cooler Wein von Peter Lauer

Ebenfalls in den Räumen von Zilliken präsentierte Peter Lauer seine notorisch leicht unübersichtliche Kollektion. Fass 4, den Lauer launisch als Party-Wein bezeichnete, ist mit seiner zarten Frucht, deutlichen Mineralität und balancierenden Säure (feinherb) gleichwohl Easy-drinking auf hohem Niveau. Faß 2 wirkt etwas experimentell: Deutlich phenolisch, herb bis bitter und mit zitronig-grünen Tönen präsentiert sich dieser extra-trockene Riesling. Lauer hat die Trauben mit den Rappen zusammen gepresst und das Ganze spontan vergoren. Ein cooler Wein, der sicherlich vor allem als Essensbegleiter eine gute Figur macht!  Zu Gast bei Zilliken – und zwar von der Mosel – war auch Schloss Lieser, deren Juffer Kabinett sehr aromatisch daherkommt. Am Gaumen überzeugt vor allem die apflige Charakteristik und die starke Mineralität sowie die tolle Balance.

Saar-Riesling Van Volxem neues Gebäude
Klotzen, nicht kleckern: Van Volxem hat neu gebaut.
Van Volxem in neuem Gemäuer

Großer Andrang herrschte im Weingut Van Volxem in Wiltingen. Das vom Fahrer des Shuttle-Busses als „Die Burg“ bezeichnete neue Weingutsgebäude, das aus dem Tal nicht zu übersehen ist, wollten alle auch einmal aus der Nähe gesehen haben. Auch wenn die Wuchtigkeit der Anlage offenbar polarisiert, so ist das Innere des Gebäudes auf jeden Fall sehenswert, allein schon der fantastischen Ausblicke auf das Anbaugebiet wegen. Vom Turm der „Burg“ sieht man sogar bis zum Scharzhofberg. Bei den Weinen präsentiert sich der Ritterpfad Kabinett mit feiner Würze und leichten Weingummi-Noten. Die Altenberg Auslese (Fassprobe) zeigt süße, vollreife Gelbfrucht, eine dezente Säure und schmeichelt sanft dem Gaumen.

Molitor vs. Nadelholz
Saar-Riesling Van Volxem Holzfass
Nur vom Feinsten: Edle österreichische Fuder.

Markus Molitor zeigte ebenfalls bei Van Volxem seine Weine. Sein Stand befand sich allerdings zwei Etagen tiefer: im (Schau-) Keller, optisch beeindruckend, mit einer glatten Makellosigkeit. Die aus Nadelholz gezimmerten Präsentationsstände der eingeladenen Winzer verströmten leider einen starken Eigengeruch, so dass die meisten Weine die Nase nicht mehr erreichten. Eine Ausnahme bildete freilich die 2009er Zeltinger Sonnenuhr Auslese mit Goldkapsel von Molitor, deren tiefe Petrolnase gegen die Fremdgerüche gut ankam. Im Mund eine phantastische Ausgewogenheit von Frucht, Süße und Säure. Aromen von Aprikose, getrockneten Apfelringen, Akazienhonig und würzigen Noten. (siehe auch Mythos Mosel) Der ebenfalls im Keller gehostete Nik Weis zeigte einen Bockstein Kabinett, der vegetabil, floral und fruchtig gleichzeitig auftrat und Süße gekonnt mit Mineralität paarte. Die Bockstein Spätlese war irgendwie Saar-Riesling at it’s best: feine Steinobstfruchtaromen – und gehaltvoll, bei aller Leichtigkeit.

Die Auslese ist eine Spätlese ist ein Kabi
Weingut Johann Peter Mertes Kanzem
Johann Peter Mertes‘ Wirkungskreis: Kanzem.

Eine interessante Kollektion präsentierte Johann Peter Mertes im eigenen Weingut in Kanzem. Sein trockener Goldberg S zeigt eine kräutrig-vegetabile Nase und etwas Tabak. Am Gaumen dann herber Boskop, kräutrige Noten und Kraft. Ein schöner Wein. Die Prädikate wirken bei Mertes jeweils wie eine Stufe zu weit oben etikettiert. Der Stirn Kabinett kommt fast etwas wässrig rüber, während die Stirn Spätlese sich wie ein Kabi präsentiert: leichte Steinobstnase, am Gaumen schiefrig, Süße-Säure-Mineralitäts-Balance, leicht-beschwingt, mit etwas Kraft, gut! Die Stirn Auslese dagegen wirkt höchstens wie eine Spätlese: vollreifes Steinobst und etwas Schmelz, Säure und Mineralität erfrischen im Nachhall. Ein sicher gut lagerfähiger fruchtsüßer Wein. Wer eine Spätlese mit etwas mit Power schätzt, kann hier auch zur 2015 Altenberg Spätlese greifen. Diese zeigt schon leichte Petroltöne und am Gaumen nassen Schiefer, vollreifen roten Pfirsich mit erfrischender Säure. Trotz der Kraft wirkt der Wein gut balanciert.

Wie sauer ist sauer?
Weingut von Hövel Oberemmel
Bei 18 Weinen heißt es, nicht den Überblick zu verlieren: Von Hövel.

Im eigenen Gut in Oberemmel zeigte Von Hövel sage und schreibe 18 Weine. Bei seinem Gutswein Saar- Riesling mit seiner kräftig-kernigen Säure kam man doch noch einmal ins Grübeln: Solch eine Säure, irgendwie doch typisch für die Saar, hatte man im Jahrgang 2018 dann doch selten gesehen. Ein Verlust? (siehe auch Aber bitte mit Säure) Der trockene Oberemmeler Ortswein jedenfalls hat diese kernige schon gegen eine nervige Säure eingetauscht, was ihm sehr gut steht. Die Nase ist fein, etwas floral und gelbfruchtig. Am Gaumen Apfelschale, gelber Weinbergspfirsich. Das Scharzhofberg Große Gewächs (Fassprobe) duftet vegetabil nach Moos, Boskop und nassem Stein. Am Gaumen dominiert der herbe Apfel, Limette und Grapefruit treten dazu. Langer Nachhall! Dieser Saar-Riesling muss aber noch länger reifen. Bei den feinherben Rieslingen gefiel der LMEAAX mit einer feinen Würzigkeit, Kern- und Steinobstnoten. Ein Wohlfühlwein. In seiner Liga gefiel auch der feinherbe Riesling aus der Großen Monopollage Hörecker bei Kanzem: Kernobst, Blumenwiese und eine super Balance und Trinkfreudigkeit stachen hier hervor sowie die unglaubliche Leichtigkeit der Mineralität, gepaart mit einer tollen Struktur.

Erwähnt werden soll bei allem Saar-Riesling zumindest auch ein Wein anderer Rebsorte: Der „Pinot blanc“ von Reichsgraf von Kesselstatt. Der ist neu im Sortiment und schmeckt nach Mirabelle und grüner Birne. Der Wein hat richtig Zug, Trinkfluss und Spannung. Das Anbaugebiet Mosel ist nicht nur Riesling. Trotz allem.

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