offene Keller Dhron Mosel Mythos Mosel

Offene Keller an Mosel und Nahe

In der warmen Jahreszeit präsentieren die Anbaugebiete sich gern zu Hause: Offene Keller ermöglichen Eindrücke von den Weinen in ihrer natürlichen Umgebung

offene Keller Mythos Mosel Weinberge
Daheim ist es doch am schönsten: Mosellandschaft bei Trittenheim.

Um Weine verschiedener Winzer probieren zu können, gibt es eine Anzahl von Fachmessen, Hausmessen bei Händlern oder Präsentationen in angemieteten Räumlichkeiten. So kann man sich vorzüglich auf die Erzeugnisse konzentrieren, sich mit den Winzern oder anderen Vertretern des Weinguts am Stand unterhalten und sich mit anderen Besuchern austauschen. Und es gibt offene Keller: Fast das Gleiche, nur dass die Veranstaltung im Anbaugebiet stattfindet.

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Entschuldigen Sie: Das ist der Sonderbus nach Klüsserath!

Die Weine in der Umgebung zu verkosten, in der sie entstehen, verändert diese natürlich nicht. Es ist ein anderes Erleben, das sich zusammen mit dem Geschmacksbild im Gedächtnis verankert. In der Nähe der Oberhäuser Brücke einen Wein aus der gleichnamigen Lage zu verkosten oder eine Trittenheimer Apotheke in Trittenheim, da passiert mnemotechnisch mehr als in einem klimatisierten Hotelsaal.

„Mythos Mosel“ und „VDP-Heimspiel Nahe“
offene Keller Mittelmosel
Alles spitze? An der Mittelmosel öffnen die Weingüter.

An der Mosel („Mythos Mosel“) war es jetzt wieder so weit, an der Nahe gab es mit dem „VDP-Heimspiel“ eine Premiere. Die größere Routine machte sich bei den Moselanern bemerkbar, aber an der Nahe passte das Wesentliche auch alles. Zwar handelte es sich an der Nahe um eine reine VDP-Veranstaltung (bei nur neun VDP-Weingütern füllte man die Räumlichkeiten mit Verstärkung aus Rheinhessen und von der Ahr auf), organisatorisch lief es jedoch wie bei „Mythos Mosel“: Jeder der teilnehmenden Winzer bot einer Handvoll Gastweingütern Raum in den eigenen Hallen und zwischen den einzelnen Stationen war ein Shuttleservice eingerichtet. Während im langgezogenen Anbaugebiet Mosel jedes Jahr ein anderer von drei Abschnitten das Ereignis ausrichtet (und von den anderen Abschnitten Winzer einlädt), damit es für die Besucher handhabbar ist (dieses Jahr zwischen Detzem und Minheim), hat man an der Nahe das Problem der Weitläufigkeit weniger.

offene Keller Dhron Mosel Mythos Mosel
Hier geht’s lang: Dhron an der Mosel.

An der Mosel fiel etwa das Weingut Claes Schmitt Erben durch durchweg sehr stimmige Weine auf („Sonntheilen“ trocken, „Jungheld“ feinherb, „Trittenheimer Apotheke“ feinherb, „Trittenheimer Altärchen“ Kabinett fruchtsüß – alles Riesling aus 2016). Ebenfalls gefiel Caspari-Kappel mit aromatischen und eleganten Weinen, zum Beispiel der 2016er „Ellergrub“ Riesling Spätlese trocken: feine Frucht, zupackende Mineralität, animierende und super eingebundene Säure, Noten von Petrol, Grapefruit, Ananas, Papaya. Vom VDP-Weingut Schloss Lieser fiel der 2016er „Juffer“ Riesling Kabinett aus Großer Lage mit feiner Iod-Note und viel viel Terroir auf.

offene Keller Trittenheimer Apotheke
Von der Mittelmosel nicht wegzudenken und nicht zu übersehen: Trittenheimer Apotheke.

Von Lehnert-Veit ist der 2016er „Schiefer“ Riesling trocken sehr ausgewogen in Frucht, Schmelz und Säure und verfügt mit einem super Preis-Genuss-Verhältnis über ein weiteres schlagkräftiges Argument. Aus gleichem Hause toll ist der 2016er „Goldtröpfchen“ Riesling Spätlese, der sehr harmonisch und mit exotischer Frucht (Maracuja) und Schmelz daherkommt.

Offene Keller an der Nahe: Sensorische Eindrücke

Von der Nahe – die Gastweingüter von Ahr und Rheinhessen seien an dieser Stelle ausgeklammert (siehe dazu etwa Sieger beim Ahrwein des Jahres 2016 und 2015: weitere Eindrücke) – fiel etwa das Weingut Emrich-Schönleber auf. Alle vier – die vereinbarte Anzahl – gezeigten Weine gefielen: Der frische, fruchtige, mit einem Schuss frischer Säure aufwartende Weißburgunder „S“, der Parade-Riesling „Lenz“ (Gutswein!), der mit interessanten hellen Noten spielende Riesling „Mineral“ sowie die Riesling Spätlese „Frühlingsplätzchen“ aus der Großen Lage (2013, alle anderen 2016), die mit Petrolaromatik aufwartete und die Süße lediglich den Tupfer obendrauf bildete.

offene Keller Nahe Gut Hermansberg
Von der ehemaligen Staatsdomäne ist der Preußenadler übriggeblieben: Gut Hermannsberg an der Nahe.

Bei Gut Hermannsberg fiel der 2016er Riesling Kabinett auf, ein leichter, kräutriger Kabinettwein. Das Große Gewächs aus dem „Rotenberg“ von 2015 ist ein säuregeprägter, mineralischer Riesling mit viel Zitrusfrucht – und ein klasse Wein! Von Schäfer-Fröhlich verfügt der 2016er „Vulkangestein“ über ein tolles Bukett. Der Riesling ist sehr reduktiv in der Aromatik, exotische Früchte, Heu, Stachelbeere und eine erfrischende Säure werden deutlich. Dr. Crusius hat mit dem 2016er „Traisen“ einen sehr ausgewogenen Riesling-Ortswein gekeltert, der allerdings noch sehr jung daherkommt. Von Dönnhoff ist der 2016er „Höllenpfad“ wohl das, was man gern als „ein Maul voll Wein“ bezeichnet: einen sehr stimmigen Riesling aus Erster Lage mit gutem Trinkfluss. (zu einem weiteren Weingut von der Nahe siehe Korrell)

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