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Skurrile Weinnamen II

Es bleibt dabei: Australien liegt bei den skurrilen Weinnamen weit vorne

In einem früheren Blogbeitrag haben wir uns bereits mit skurrilen Weinnamen beschäftigt. Hier stellen wir einige Neuentdeckungen vor, diesmal allesamt aus Australien.
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Sex and crime: Auf Weinetiketten gibt es nichts, das es nicht gibt.

Handelt es sich lediglich um eine drastische Marketing-Idee oder ist es Anstiftung zum Mord? Wir kennen uns da juristisch nicht so aus, denken aber, dass – skurrile Weinnamen hin oder her – die Grenze des guten Geschmacks in jedem Fall überschritten ist. „Hang the banker“ lautet der Name des, Achtung, Weinguts. Die Schlinge ist abgebildet, eine Krawatte. Und das „g“ hängt an dem „n“ wie an einem Galgen.

Wenn man im Internet nachschaut, findet sich dazu eine krude Geschichte von Supermarktketten, die sich den Weinbau unter den Nagel reißen, sekundiert sicherlich von bösen Banken. Mit jeder Flasche von „Hang the banker“ werde man zu „etwas Größerem als wir alle und Teil eines kleinen Statements“. Aha. Es gibt sicher etliche Argumente, die einen dazu bewegen können, eher von den kleineren Kellereien zu kaufen als von den Massenproduzenten. Aber antikapitalistischer Krawall, um seinen eigenen Shiraz aus dem McLaren Vale am Markt zu platzieren? Geht es vielleicht eine Nummer kleiner?

Helme und Kraken
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Ich stell dann mal ein Axiom auf den Tisch: Pinot Gris aus den Adelaide Hills.

Dagegen wirkt ein Ritterhelm und der Name „Axiom“ sicherlich harmlos. Wir finden das Ganze einigermaßen kryptisch – von welchem Grundsatz ist hier die Rede und was hat der Helm damit zu tun? Der sehr traditionelle geschwungene Schriftzug, mit der die Rebsorte Grauburgunder aufgeführt wird, mag auch nicht ganz dazu passen. Aber gut. Bei diesem Grauburgunder aus den Adelaide Hills wird zumindest nicht zum Mord aufgerufen.

„The squid’s fist“. Die Faust des Kraken. An was sonst denkt man dabei als an eine Cuvée aus Sangiovese und Shiraz! Wir wissen nicht genau, welche Rolle Kraken im australischen Clare Valley spielen. Die in Comicmanier gezeichnete Abbildung auf dem Etikett ist jedenfalls ziemlich bunt. Der Krake ist da zu sehen und eine Art U-Boot, das er in seiner, na ja, Faust zu zerdrücken scheint. Im Inneren hantiert ein Mann ziemlich hilflos an ein paar Hebeln. Ob der aus derselben Ecke stammt wie der böse Banker? Neben dem U-Boot, das nun ganz dem Kraken ausgeliefert ist, gibt es noch zwei junge Frauen mit Taucherbrille und Bikini, deren Rolle nicht ganz klar wird. Wie heißt das Weingut? „Some young punks“. Okay.

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Alles so schön bunt hier: „Some young punks“ aus Australien machen es möglich.
Skurrile Weinnamen oder Sex sells

Ob der Herr mit der Krawatte wohl ein Banker ist? Wir wissen es nicht, aber dem wieder in Manier eines amerikanischen Comics aus dem letzten Jahrhundert gehaltenen Etikett nach zu urteilen, schwebt dieser Mann nicht in akuter Lebensgefahr. Auch wenn er ohne Unterleib daherkommt – aber keine Angst, das ist nur die Perspektive. Denn die sich anscheinend gerade wieder ankleidende blonde Dame verdeckt mit ihrem nackten Arm nahezu alles von seiner Hüfte an abwärts. Ach so, wie der Sauvignon Blanc aus den Adelaide Hills heißt? „Quickie“! Eine weitere Kreation der „Some young punks“, die von politischen Aussagen à la „Hang the banker“ wohl nicht so viel halten. Sex sells, werden sie sich gedacht haben.

skurrile Weinnamen Quickie Some young punks Sauvignon blanc
Ein unmoralisches Angebot: Sauvignon Blanc von „Some young punks“.

Apropos Sex sells: Man sieht zwar nur den Ausschnitt zweier Gesichter, die sich sehr nahe sind, aber „Sexy Beast“ für einen Cabernet Sauvignon von „Two Hands Wines“ aus dem McLaren Vale ist trotzdem eine Ansage. Das Gute ist, dass man diese ja nicht so genau erklären muss. In der Flasche drin ist jedenfalls, so haben wir uns sagen lassen, immer noch Rotwein. (zum Wort „Sex“ auf Etiketten siehe auch Etiketten und Etikette)

Es ist natürlich immer die Frage, wem man mit welchem Etikett gefallen will. Von den oben besprochenen Flaschen wird man auf einen festlich gedeckten Tisch allenfalls den „Axiom“ stellen wollen. Doch die Zielgruppe mit gestärkten Tischtüchern soll hier wohl auch kaum angesprochen werden und das ist natürlich völlig legitim. Trotzdem ist es ein bisschen wie mit auffällig bedruckten T-Shirts: Der, der es mag, trägt es – und die anderen müssen es ertragen.

(Hier geht es zu einem weiteren Blogbeitrag mit derselben Thematik)

2 Kommentare

  1. Hervorragender Beitrag und einen wirklich schönen Blog hast du hier! Ich werde sicherlich öfter mal vorbeischauen! 🙂

  2. Wolfgang Baumeister
    Wolfgang Baumeister

    Hallo,
    skurrile Weinnamen/-etiketten gibt es auch in der Pfalz beim Weingut E.Bauer in Nussdorf/Südliche Weinstraße.
    Die Weine sind allesamt gut und preiswert. Die Stimmung steigt schon allein, wenn man das Etikett liest. Der Winzer ist sehr sympathisch und er drückt mit seinen Weinnamen seine Lebenseinstellung aus. Unbedingt empfehlenswert.

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