ulkige Arbeiten im Weingut, Traubenschalen Edelstahltank herausschaffen

Ulkige Arbeiten im Weingut

Was macht der denn da?

Kelter Traubenpresse defekt Reparatur
Normale Arbeit: Während der Weinlese fällt die Presse aus.

Was sind die Tätigkeiten in einem Weingut? Na klar, die Trauben müssen angenommen werden, gemaischt, gepresst. Die Vergärung muss initiiert und überwacht werden. Abstechen, zur Reifung ins geeignete Fass bringen. Probieren, analysieren, cuvetieren. Sowas.
Richtig. Und dann gibt es natürlich Dinge, die wie in fast jedem anderen Betrieb auch gemacht werden müssen, ob man will oder nicht. Sauber machen steht ganz weit vorne, denn für einen sauberen Wein braucht man auch einen ebensolchen Keller. Reparaturarbeiten fallen natürlich häufig an, gerade auch – Murphy’s Law – während der Lese. Material muss eingekauft und verstaut werden. Sowas.
Und dann gibt es ein paar ulkige Arbeiten im Weingut, bei denen man sich verwundert die Augen reibt. Die alle Sinn ergeben, aber auf die man wohl von selbst nie gekommen wäre.

Luftpumpe, damit die Luft keine Chance hat
ulkige Arbeiten im Weingut, Luftpumpe am Fass
Ulkige Arbeit: Luft reinpumpen, damit die Luft draußen bleibt.

Beispiel Luftpumpe. Damit werden Schläuche gefüllt und unter Druck gesetzt. Was macht die Pumpe am Weintank? Es gibt Tanks, die nicht ganz voll sind. Von dem Weinspiegel bis zur Decke des Tanks ist im Wortsinne Luft nach oben. Und zu viel Sauerstoff ist der natürliche Feind des Weins, wenn er lagert. Warum nicht einfach den Raum verringern, gar annullieren? Indem man einfach den Deckel absenkt? Und damit dieser nicht im Wein versinkt oder doch an den Seiten Luft durchlässt, hat man eine Art Fahrradschlauch um ihn gespannt, der so lange aufgepumpt wird, bis er an der Wand schön stramm sitzt. Schläuche aufzupumpen macht keinen Spaß. Und es ist ein etwas überholtes Verfahren. Man kann Kohlendioxid auf den Wein legen, um ihn vor Oxidation zu schützen. Was besser oder schlechter ist, sei dahingestellt. Aber so, wie wohl in jedem Haushalt einige brandaktuelle neben einigen im Grunde etwas überholten Geräten existieren, so auch in manchem Weingut.

Diogenes oder Der Mann im Fass
ulkige Arbeiten im Weingut, Ausfräsen Holzfass Eiche
Zimmer mit Aussicht: Das Holzfass ist innen gleich wieder wie neu.

Holzfässer. Wir sprechen hier nicht von Barriques mit ihren geringen Volumina, die gerade einmal für 300 Flaschen reichen. Nein, wir meinen ihre großen Brüder, die mit 5000 Litern. Sie sind nicht so sehr dafür da, dem Wein Aromen aus dem Eichenholz mitzugeben, sondern vielmehr den Wein reifen zu lassen. Deswegen wirft man sie auch nicht nach drei Jahren weg oder pflanzt Blumen hinein. Aber nach einigen Jahren hat sich eine respektable Schicht an der Innenseite abgesetzt, die auch kraftvoller Wasserdruck alleine nicht mehr wegbekommt. Jetzt ist es Zeit für den Mann im Fass – und wir reden nicht von Diogenes in der Tonne. Wenn man einen Keller nur mit großen Holzfässern hat, dann verschwindet der Mann für zwei Wochen im Fass – Ess-, Rauch- und Schlafpausen natürlich ausgenommen. Ansonsten ist er da drin mit sich allein sowie einem lärmenden und staubenden Schleifgerät und dem Schlauch eines Industriesaugers. Sein Licht spendet eine Lampe; Augen, Nase, Mund und Ohren hat er selbstverständlich geschützt. Ein bisschen erinnert es an das Leben unter Tage. Der Mann im Fass befreit die Innenwände von den festen Ablagerungen und schleift auch ein bisschen von dem Holz ab, das mit dem Wein eine untrennbare Verbindung eingegangen ist. Wenn er fertig ist, sind die guten Stücke innen wieder glatt, man sieht die Maserung und riecht die Eiche. Der Mann macht eine kleine Pause an der frischen Luft und verschwindet im nächsten Fass.

Knietief in den Traubenschalen
ulkige Arbeiten im Weingut, Traubenschalen Edelstahltank herausschaffen
Ich bin dann mal weg: Kommen die Traubenschalen nicht zum Winzer, muss der Winzer eben zur Traubenschale.

Apropos Fass und Tank. Rotwein ist ja bekanntlich deswegen rot, weil der Most zusammen mit den Schalen vergoren wird. Aber irgendwann müssen die Schalen auch wieder raus, so nach 14 bis 20 Tagen. Allerdings flutschen nur die wenigsten davon durch den Schlauch, das meiste – und das können durchaus ein paar Tonnen sein – bleibt einfach auf dem Boden des Tanks liegen, gerne auch meterhoch. Nun ist die Stunde des Manns im Tank gekommen. Er zieht sich speziell für diesen Zweck vorgehaltene Gummistiefel an und eine Plane wird durch die große Öffnung des Tanks auf die Traubenschalen gelegt, die man so gut wie möglich schon mit der Schaufel herausgeholt hat. Der Mann (so haben wir es gesehen, natürlich kann es auch eine Frau sein) kriecht nun in den Tank. Warum die Plane? Damit seine Kleidung nicht sofort bordeauxrot ist! Dort drinnen steht er nun sehr sehr lange und hebelt die aufgetürmten Schalen herunter und schippt sie Richtung Fassöffnung.

ulkige Arbeiten im Weingut, Schalen der Trauben aus dem Edelstahltank schaffen
With a little help from my friend: Der Mann in den Gummistiefeln arbeitet im Verborgenen.

Dort stehen die lieben Kollegen parat und haben auch alle Hände voll zu tun, denn schließlich muss die Masse aus Schalen und Kernen in die Presse, damit am Ende der wertvolle Wein herausrinnt. Damit der Mann im Fass etwas sieht, hat man vorher ein Kabel gespannt und eine Hängelampe von oben heruntergelassen. Und einen Ventilator, denn die Gärdämpfe sind nicht ohne, vor allem, wenn man dabei körperlich schwer arbeitet.

Wie viel ist ganz wenig von 30000 Litern?
ulkige Arbeiten im Weingut, Edelstahltank reinigen
Hier sollte eigentlich alles von selber herauskommen. Sollte.

Edelstahltanks muss man natürlich nicht ausfräsen, da reicht Wasser allein und vielleicht etwas Zitronensäure. Aber mit einem Gartenschlauch einen fünf Meter hohen Tank richtig blank bekommen? Wenn auch wirklich alles blitzen soll, muss die Gärbottichdusche her. Dazu braucht man einen Aufsatz, der das Wasser in alle Richtungen spritzt. Viel Wasser muss hier fließen mit sehr hohem Druck. Den Wasserhahn kann man also vergessen. Stattdessen muss ein wirklich großes Gefäß mit Wasser gefüllt werden, das man mit einer starken Pumpe und einem dicken Schlauch durch den speziellen Duschkopf jagt. Wenn etwas von dem Wasser oben aus dem Tank wieder herausspritzt, obwohl der Deckel aufgelegt ist, weiß man, die Sache funktioniert.

Klar läuft das Wasser unten wieder heraus, wenn man den untersten Auslass des Tanks öffnet. Nur ein winziger Teil will einfach nicht von selber abfließen. Ein winziger Teil kann bei einem Gesamtfassungsvermögen von sagen wir mal 30000 Litern aber auch einiges sein. Hier hilft keine Technik, hier muss man einen langen Arm machen und so oft den Schwamm ausdrücken, bis wirklich kein Wasser mehr im Tank ist. Also sehr sehr oft.

Ulkige Arbeiten im Weingut oder einfach leidige Pflicht?
ulkige Arbeiten im Weingut, Holzspäne Ausfräsen Eichenholzfass
Was vom Tage übrig blieb: ausgefräste Eichenholzspäne.

Bevor es irgendwann nach Hause geht, heißt es wie immer Aufräumen. Dazu gehört auch, dass man die Späne, die der Mann im Holzfass produziert hat, entsorgt. Leider sind es ein paar hundert Kilo, die in dem überdimensionalen Abfalleimer liegen und eigentlich ganz gut nach Rotwein und Holznoten duften. Hier braucht man schweres Gerät und mindestens zwei Personen, bis der perfekte Biodünger irgendwo draußen auf dem Boden landet und zu Humus werden kann.
In jedem Beruf gibt es notwendige Tätigkeiten, von denen Außenstehende meist keine Ahnung haben. Und die dennoch oftmals mühsam, langwierig oder teuer sind. Ulkige Arbeiten im Weingut fallen sicher in diese Kategorie.

Ein Kommentar

  1. Sehr interessant!
    Gibt es dafür auch Berufsbezeichnungen, oder bleibt es beim Mann mit den Gummistiefeln oder dem im Fass?
    Und lassen sich ausgefräste Eichenholzspäne mit Rotweindurchdringung entflammt nicht auch zur Beduftung von Grillfleisch verwenden? Biodünger wird oft unterschätzt und einfach achtlos weggeworfen!

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