Warum hat Wein Namen?

In diesem Blog geht es wieder um Skurrilitäten. Aber auch um die Frage: Warum überhaupt trägt Wein Namen?

Wein Namen Diskretion Abstand
Abstand halten: Der Wein zur Krise?

Oft findet man beim Wein Namen, die radikal erscheinen, rätselhaft, oder provozieren wollen (siehe Skurrile Weinnamen II). Aber wer hätte gedacht, dass ein im wahrsten Sinne des Wortes zurückhaltender Name gerade wie das Gebot der Stunde wirkt? Diskrecija, Serbisch für Diskretion, Zurückhaltung.

Das Etikett zeigt, dass diese nicht nur im übertragenen Sinne zu verstehen ist. Sondern beide Gesprächspartner achten darauf, sich nicht zu nahe zu treten. Freilich, der Abstand müsste noch etwas größer sein, aber fast wirkt dieser Name wie das Gebot der Stunde: Vornehme, oder zumindest auf Vorsicht beruhende Zurückhaltung in Zeiten von Corona.

 

Wer verwirrt wen?
Wein Namen Konfusion Verwirrung
Verwirrend: Manche Wein-Namen geben Rätsel auf.

Konfuzija, also Konfusion, Verwirrung: Gerade wenn Wein Namen wie diesen trägt, fragt man sich natürlich, weswegen. Warum nicht einfach – wie in diesem Fall – Rosé? Gibt es etwas, das beim Trinken dieses Rosé verwirrend erscheint? Und wäre das etwas Gutes? Denn kaum wird doch ein Winzer seinen Wein nach etwas benennen, das ein schlechtes Licht auf ihn würfe.

Es sei denn, man möchte damit kokettieren. Oder es ist nicht eindeutig, ob sich die Bezeichnung auf den Wein bezieht oder auf etwas anderes. Das offen zu lassen, ist der Versuch, den potentiellen Käufer ins Grübeln zu bringen. Und damit diesem Wein überhaupt erst einmal Beachtung zu schenken. In einem Maße, wie er es sonst womöglich nicht getan hätte.

 

Gib dem Wein Namen, die Fragen aufwerfen
lustige Weinnamen Punk
Think Pink? Trink flink? Was will uns diese Flasche sagen?

Das ist vermutlich auch beim „Pink Punk“ der Fall. Ist der Winzer ein Punker? Richtet sich der Wein an den unangepassten Konsumenten? Oder schmeckt der Wein irgendwie ungewöhnlich? Die Fragen gehen  bei dem Zusatz „Mis en bouteille au Garage“ weiter, der den zumindest in Frankreich gängigen Aufdruck „Mise en bouteille au château“ persifliert. Wieder weiß man nicht so genau: Ist der Winzer so unangepasst, dass er darauf pfeift, für teuer Geld ein Kelterhaus zu bauen und stattdessen den Wein eben in einer billigen Garage keltert? Oder wird hier dezent darauf hingewiesen, dass sogenannte Garagen-Weine der letzte Schrei sind – oder zumindest eine Zeitlang waren -, also schlicht Marketing betrieben?

Die Aufmerksamkeit ist offensichtlich erregt. Dass Pink Punk so ähnlich klingt wie Pink Panther und ähnlich gut im Gedächtnis haftet, ist sicher auch kein Zufall. Vielleicht das Getränk für denjenigen, dem Wein ohnehin immer zu elitär erschien? Konsequenterweise ist der Verschluss auch nicht ein Establishment-Kork, sondern ein Independent-Bügelverschluss.  Soll man den Rosé gar aus der Flasche weggluggern wie eine Flasche Flensburger? Man weiß es nicht, aber dieser Wein macht eine Menge Angebote an den potentiellen Käufer.

 

I get a kick out of… this wine?
ausgefallene Wein Namen
Was soll der Esel auf dem Wein? Vielleicht hilft der Untertitel!

Was ist das Angebot, wenn der Wein Namen trägt wie Kickass? Das heißt zwar umgangssprachlich auch so viel wie super, aber im Wortsinne dann doch auch der Tritt in den Allerwertesten. Der Hauptname El Burro und die erläuternde Abbildung eines Esels verstärken diesen Eindruck – Esel sollen bisweilen austreten.

Es geht hier wohl weniger um Esel als um den Weißwein und seinen möglichen Käufer. Denn wer sollte hier wohl sonst wem einen „Kick“ verpassen? Mutmaßlich die frische und fruchtige Art des Weißen. Die Rebsorten legen diese Lesart zumindest nahe. Gleichzeitig wird hier aber auch etwas ausgesagt darüber, welche Konsumentengruppe man ansprechen möchte. Oder welche man nicht anspricht: die Traditionalisten.

 

Helfen dem Wein Namen beim Absatz?

besondere Wein NamenWas sagt uns ein Wein namens Saga? Werden in einer Saga doch meist generationenübergreifende Familiengeschichten erzählt. Womöglich hat für uns das Wort Saga, das aus der nordischen Literatur kommt, aber auch einen geheimnisvollen Unterton. Dass sich ein Wein Namen gibt, die ihn interessant erscheinen lassen, ist nichts Neues. Schließlich ist die Konkurrenz im Weinregal groß. In diesem Fall auffälliger als der Name ist das Etikett. Es entfaltet eine Art Tunnelblick. Soll auch das den potentiellen Käufer in seinen Bann ziehen? Angenehm anzuschauen ist das Ganze allerdings nicht. Bevor einem schwindlig wird, lässt man womöglich die Flasche links liegen und geht erleichtert weiter. Autsch.

3 Kommentare

  1. Sehr inspirierend! Dazu passend auch der schöne Artikel „Was zählt, Ist im Glas, nicht im Namen“ in der FAS von heute. Nur ein Hinweis: „Als wärs ein Stück von mir“ ist nicht nach Uhland benannt, sondern nach der Autobiographie von Carl Zuckmayer, dessen Stück „Der fröhliche Weinberg“ im Weingut Gunderloch spielt.

  2. „sondern ein Independent-Bügelverschluss. Soll man den Rosé gar aus der Flasche weggluggern wie eine Flasche Flensburger? Man weiß es nicht, aber dieser Wein macht eine Menge Angebote an den potentiellen Käufer.“

    Das ist einfach Wein togo für den Brüsseler Platz, wenn der denn mal wieder irgendwann öffnet 😉

  3. Wein ist auch ein Modeprodukt, das Konsumenten ansprechen soll. Ruländer verkauft sich nicht mehr. Pappt man auf den selben Wein aber „Pinot gris“ drauf, ist er plötzlich hip. Das selbe ist es bei den Etiketten. Die gehen auch mit der Mode, um den Inhalt zu verkaufen.

    Entsprechend ist es mit den Namen. Insbesondere jüngere Winzer kommen da auf witzige Ideen. Da wird ein Rotwein aus Madiran „Origami“ genannt, und ein Wein aus Saint Mont heißt „Gueules de Saint Mont“.

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