Wein Bücher Carsten Henn Der letzte Champagner Markus del Monego Wie schmeckt trocken Hugh Johnson Der kleine Johnson 2017

Neue Bücher zum Wein

Wein Bücher Carsten Henn Der letzte Champagner Markus del Monego Wie schmeckt trocken Hugh Johnson Der kleine Johnson 2017
Auslegungssache: Zum Wein Bücher oder Bücher zum Wein.

Zum Wein Bücher: unterhaltend, informativ oder beides

Was gibt es auf dem Buchmarkt Neues zum Thema Wein? Wir haben uns ein wenig umgeschaut und jeweils ein Beispiel aus der belletristisch-unterhaltenden, sachlich-unterhaltenden und informativen Sparte ausgewählt.

Der letzte Champagner ist der neueste Titel einer Reihe von (nicht nur Wein-) Romanen , die bis hinein in den Titel (Der letzte…) einem bestimmten Schema und Personeninventar folgen, die der Verlag als „Kulinarischer Krimi“ bezeichnet. Am Anfang steht nach der klassischen Bauweise eines Krimis ein Mord: Bei der Verkostung von Champagner-Raritäten in Deutschland kommt der Spross eines Champagnerhauses auf brutale Weise ums Leben. Adalbert Bietigheim übernimmt in erprobter Manier die Aufklärung der Bluttat, wozu er in die Champagne reisen muss, da alles auf dunkle Machenschaften in den altehrwürdigen Schaumweinkellereien hindeutet.
Die Story hat jede Menge Lokalkolorit und wartet mit einer beeindruckenden Fülle an Spezialwissen rund um das auf der Flasche vergorene Genussmittel auf. Auch neuere Erkenntnisse der Forschung flicht der Autor Carsten Henn auf unterhaltsame Weise in die Erzählung ein, so etwa, dass der Pinot Meunier, eine der Grundtrauben der typischen Champagnercuvée, genetisch doch nicht mit den Burgunderreben verwandt, mithin kein Pinot ist und nur noch Meunier, Müllertraube, genannt werden darf. Auch für den interessierten, aber von der Fülle der Fachbegriffe (Dosage, Dégorgement, Rüttelpult) zu geforderten Leser hat sich eine praktische Lösung gefunden: Was auch im Kontext womöglich nicht ganz klar wird, kann in einem Glossar am Ende des Buches nachgeschlagen werden. So wird die Kriminalgeschichte von langatmigen und für manchen Leser unnötigen Erklärungen entlastet.

Wer zum Wein Bücher mit gutem Lesefluss schätzt: Der letzte Champagner
Wein Bücher Markus del Monego Heribert Prantl
Wie schmeckt denn nun trocken? Heribert Prantl (rechts), Süddeutsche Zeitung, mit Markus del Monego auf der Frankfurter Buchmesse.

Der letzte Champagner ist ein Buch für die leichte Muse. Die Figuren sind aus dem komödiantischen Setzkasten: Ein motorradfahrender Haudrauf mit gutem Herzen etwa, der – nicht mehr gerade alltäglich – Pit genannt wird . Oder natürlich die Hauptfigur selber, Professor Adalbert Bietigheim, der einigermaßen hochnäsig durchs Leben geht und gerade im burschikosen Umgang mit seiner Assistentin schwer an Professor Börne aus dem Tatort Münster erinnert. Wer außerdem sprachlich auch mal Fünfe grade sein lassen kann („Es war erfrischend, Bruno Bourdain auf einmal so klein mit Hut zu sehen, dass sogar Gartenzwerge über seine Größe Witze gerissen hätten.“), aber gut unterhalten werden und nicht nur etwas über Champagner, sondern auch die Champagne – eine der wohl am wenigsten bekannten Landstriche Frankreichs – erfahren möchte, ist bei diesem Weinkrimi gut aufgehoben.

Markus del Monego, der umtriebige Sommelierweltmeister von 1998 und Master of Wine, hat für die Süddeutsche-Zeitung-Edition den Titel „Wie schmeckt trocken“ herausgebracht. Der Titel ist natürlich genial, erinnert er doch so sehr an die tausend Mal im Restaurant vorgebrachte Bestellung eines trockenen Weiß- oder Rotweins, als wäre nur der Restzuckergehalt alles entscheidend und Aromen, Körper oder Gerbstoffe irrelevant. Um es vorwegzunehmen: Das gleichnamige Kapitel in diesem im lockeren Plauderton verfassten Sachbuch geht in eine andere Richtung, nämlich überwiegend der Frage nach, wann ein Wein nach deutscher Definition als trocken bezeichnet werden darf.
Die einzelnen Kapitel haben zwar alle mehr oder weniger den Wein zum Thema, bilden aber kein durchstrukturiertes Ganzes, sondern einen Strauß an Anekdoten, Erinnerungen und Erläuterungen in lockerer Reihung. Der Untertitel „Unterhaltsames Weinwissen“ bringt das Konzept auf den Punkt: Das Ganze ist in der Tat angenehm zu lesen und gleichzeitig informativ. Nur hin und wieder gehen dem natürlich wahnsinnig breit aufgestellten Master of Wine dann doch die Pferde durch und er überfrachtet etwa die Kapitel „Das sensorische Dinner“, „Auf der Suche nach der perfekten Kombination“ oder „Wasser und Wein“ mit zu viel Wissen, zu vielen kleinen Beispielen, die man sich nur noch schlecht merken kann. Als ob er das wieder ausgleichen wolle, übt er sich dann wieder in Redundanz, etwa indem er in den drei eben angeführten Kapiteln jeweils aufs Neue darstellt, dass „zwei gleich starke Säuren sich verstärken werden, zwei unterschiedlich starke Säuren sich geschmacklich in der Mitte treffen“.

Wie sag ich’s der Dame des Hauses? Kork, Portugal und Master of Wine Markus del Monego
Wein Bücher Markus del Monego Buchtitel Wie schmeckt trocken
Keine trockene Lektüre: Wie schmeckt trocken von Sommelier-Weltmeister Markus del Monego.

Hier und da gewährt der Autor auch Einblicke in seine Tätigkeit als angesehener Sommelier, etwa in „Das portugiesische Terroir“, wo er Gast in einem Bordeaux-Château ist, in dem es rare Weine, aber auch ein außergewöhnlich strenges Protokoll gibt. Wie er die im Raum stehende Frage, ob der edle Tropfen vielleicht einen unedlen Korkton hat, beantwortet, ohne die Hausherrin in Verlegenheit zu bringen, entbehrt nicht eines gewissen Eigenlobes, den man dem Autor aber ohne Umschweife verzeiht, da er nicht nur die Situation mit Esprit gemeistert, sondern die Anekdote auch ebenso erzählt hat.
An wen richtet sich dieses Buch? An ein breiteres, kultiviertes Publikum, das grundsätzlich eine gewisse Weinaffinität mitbringen sollte. Eventuell reicht aber auch kulturgeschichtliches Interesse aus, nicht nur weil Wein ein Kulturgut ist, sondern weil del Monego in vielen Fällen auch über das zentrale Thema hinausgeht, etwa wenn er idiomatischen Ausdrücken wie „seinen Obolus entrichten“ auf den Grund geht.
Mit innerhalb von 40 Jahren zwölf Millionen verkauften Exemplaren wirbt die aktuelle Ausgabe des Weinführers Der kleine Johnson auf dem Cover. Auch wenn sich natürlich längst ein ganzes Team um Hugh Johnson geschart hat, ist durchaus beeindruckend, einen Weinführer im 40. Jahr herauszugeben! Das Vorwort ist auch in diesem Sinne lesenswert, gibt es uns in diesem Buch, das sonst nur indirekt etwas über seinen Herausgeber offenbart, doch ein paar Einblicke in die Person dieses Briten, der sich seit Jahrzehnten mit der Ordnung des Weins beschäftigt: Etwa wie er in das Verlagskonzept der „Obsoleszenz“ gestolpert sei; oder was er von Parkers 100-Punkte-System oder von Naturwein hält (jeweils sehr wenig).

Ein Buch für alle Fälle: Der kleine Johnson
Wein Bücher Der kleine Johnson 2017
Weinführer in Kompaktbauweise: Der kleine Johnson.

Wer den Kleinen Johnson kennt, braucht hier eigentlich nicht weiterzulesen: Das Buch ist im Wesentlichen in Länder eingeteilt und innerhalb dieser alphabetisch nach Stichworten geordnet. Dabei kann ein Stichwort ein Ort, ein Weingut, eine Person, ein Anbaugebiet sein. Oder eine Marke oder eine Ausbauart. Verstreut über das Kapitel gibt es außerdem einige Infokästen, deren Titel grob alphabetisch eingeordnet ist und auf deren Existenz man freilich nicht immer gekommen wäre (zum Beispiel „Ein Strauß Rosés“ unter dem Buchstaben R im Frankreich-Kapitel). Blättern ist also angesagt. Natürlich findet man nicht alles, was man sucht, aber man findet immer eine interessante Information, die man nicht gesucht hatte. Verständlich ist, dass ein Taschenbuch, das sich als Weinführer für die ganze Welt versteht, manchmal auch etwas vereinfachend daherkommt (zum Beispiel „Die besten Brunellos – Top Ten und der Rest“). Das heißt aber nicht, dass man auf Differenzierung verzichten würde, auch wenn natürlich ausführliche Begründungen in diesem Format nicht funktionieren (etwa die Jahrgangseinordnung 2010 für die Toskana: „Keineswegs überall wunderbar, wie für den Brunello behauptet wurde.“)
Bei aller Verknappung hat Der kleine Johnson natürlich einen wahnsinnigen Anziehungspunkt: Das Format bekommt man sogar in eine Jackentasche. Denn wer schleppt schon, wenn er etwa nach Katalonien reist, einen kiloschweren Wälzer mit sich herum? Und trotzdem möchte man in der Vinothek dann vielleicht doch eine grobe Einschätzung haben, welches Weingut oder welcher Jahrgang einen Kauf wert sein könnten, wenn man seine persönlichen Favoriten noch nicht gefunden hat oder etwas Neues ausprobieren möchte. Außerdem beziehen die wenigsten ihre Flaschen nur aus einer Region, so dass man eben auch mal bei anderen Ländern nachschlagen oder blättern kann, ohne sogleich zum Wein Bücher für jedes Anbaugebiet erstehen zu müssen.

(weitere Besprechungen: Weinbücher II)


Carsten Henn: Der letzte Champagner. München 2016. 18 Euro.
Markus del Monego: Wie schmeckt trocken. Unterhaltsames Weinwissen. München 2016. 14,90 Euro.
Der kleine Johnson. Weinführer 2017. München 2016. 19,99 Euro.

Wein Bücher Hauck und Bauer Ich kann einfach nicht Wein sagen
Ich kann einfach nicht Wein sagen: Das passiert freilich den Autoren der hier vorgestellten Bücher nicht. Der Cartoon-Band von Hauck und Bauer hat zwar nichts mit Wein zu tun, ist aber auf jeden Fall lesens- und betrachtenswert.

 

Schreibe einen Kommentar