Mittelrhein Schleife Boppard

Weine vom Mittelrhein kommen selten zu einem. Vor Ort probieren, ist aber auch schön. Zwei Beispiele.

Mittelrhein
Ende des Regenbogens: Unkel bei Bonn.

Der Mittelrhein gehört zu den kleineren der 13 deutschen Anbaugebiete. Mit seinen ungefähr 468 Hektar Rebfläche liegt es beispielsweise rund 100 Hektar hinter der Ahr. Und das, obwohl sich der Mittelrhein von Bingen bis kurz vor Bonn über eine Strecke von 110 Kilometern zieht.

Die Gründe sind offenkundig: Ein großer Teil des Weinbaus geschieht hier in Steillagen. Gerade dort, wo diese kleinteilig parzelliert auf Terrassen stattfand, ist irgendwann ein Schlussstrich gezogen worden. Zu aufwändig, zu anstrengend, zu teuer.

Oberes Mittelrheintal UNESCO Loreley
Was soll es bedeuten: Magnet Loreley.

Es gibt aber noch andere Gründe, warum die Herkunft Mittelrhein vielen Weintrinkern unbekannt ist. Verkostungsveranstaltungen außerhalb des eigenen Gebietes? Noch nie gesehen. Ein Großteil der Produktion wird einfach vor Ort verkauft. Kein Wunder, der Bereich Siebengebirge und der nördliche Teil des Bereichs Loreley liegen vor den Toren von Bonn und Köln, Tagestouristen gibt es genug. Und insbesondere das romantische obere Mittelrheintal, seit 2002 als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt, wird von Touristen aus aller Welt besucht. Somit scheint auch der Bedarf überschaubar, andere Absatzwege zu suchen.

Boppard
Mittelrhein verwachsener Baum
Ungefähr so fließt der Rhein bei Boppard.

Riesling ist am Mittelrhein König, rund 70 Prozent der Rebfläche sind mit ihm bestockt. Ein Weingut wie August Perll in Boppard hat denn auch eine reiche Auswahl an Lagen, Prädikaten und Geschmacksrichtungen von trocken bis süß, wenn es um Riesling geht.

Alles kommt bei diesem Weingut aus dem Bopparder Hamm, dem riesigen Weinberg mit Südausrichtung kurz hinter der Stadt. Südausrichtung? Ja, denn der Rhein beschreibt hier eine große Schleife, so dass das linke Ufer für eine Handvoll Kilometer nach Süden zeigt. Einzellagen wie Mandelstein oder Fässerlay gliedern den Bopparder Hamm. Denn trotz allem gibt es kleine Unterschiede in der Ausrichtung oder wann sich der Schatten wo auf die Reben senkt.

Weingutt Perll: Riesling
Weingut Perll Boppard
Auf den Etiketten abgebildet: Stammhaus von 1606.

Das Bopparder Hamm Feuerlay Riesling Hochgewächs trocken zeigt Aromen von herbem Apfel und weißem Pfirsich sowie kräutrige Noten, am Gaumen kommen zarte Feuersteintöne dazu. Der Wein ist – wie alle folgenden des Weinguts – aus dem Jahrgang 2021. Als Hochgewächs werden solche Rieslinge bezeichnet, die tatsächlich zu hundert Prozent aus dieser Traube gekeltert werden. Gesetzlich verpflichtend sind sonst nur mindestens 85 Prozent.

Mittelrhein Riesling Auslese trocken Perll
Auslese muss nicht süß sein.

Dass Auslesen nicht immer süß sein müssen, zeigt der Bopparder Hamm Mandelstein Riesling Auslese trocken. Die Nase ist hier ausgeprägter, voller, und zeigt Aromen von weißem Fruchtfleisch und Weinkeller.

Kabinettwein gibt es hier sowohl in trockener als auch in restsüßer Ausprägung. Der halbtrockene darunter vom Bopparder Hamm Mandelstein duftet kräutrig, am Gaumen kommen Kernobst und etwas Grapefruit hinzu. Super geschmeidig, feine Säure, gut!

Bopparder Hamm
Plötzlich fließt der Rhein nach Osten: Bopparder Hamm.

Lieblich ist der Bopparder Hamm Feuerlay Riesling Kabinett, der strohgelb und mit hellgoldenen sowie minimal grünlichen Reflexen im Glas funkelt und nach Pfirsichhaut, Kräutern und Schiefer duftet. Nimmt man einen Schluck, sind da gelber und roter Apfel und eine leichte Salzigkeit. Sehr gut balanciert, präsente, aber kein bisschen spitze Säure. Schön!

Weitere Rebsorten

Auch roten Riesling baut Winzer Thomas Perll an. Aus dem Bopparder Hamm Fässerlay kommt diese trockene Auslese. Aromatische Nase nach reifem Steinobst, am Gaumen auch grüner Apfel und etwas Stachelbeere, die Säure relativ mild, ein angenehmer Wein. (weitere „Rote Weißweine“)

Roter Riesling
Weißwein aus rotem Riesling.

Der Blanc de Noir, eine Bopparder Hamm Fässerlay Spätburgunder Auslese, riecht nach weißem Fruchtfleisch, Litschi und Pfirsichhaut. Nimmt man einen Schluck, ist das eine mild-fruchtige Aromatik mit Anklängen an Birne, feiner Säure und Schmelz.

Guten Sekt gibt es auf der nächsten Seite…

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