Mythos Mosel Riesling

Offene Keller an der Mosel 2018

Dieses Jahr hatten bei „Mythos Mosel“ am mittleren der drei sich abwechselnden Flussabschnitte die Winzer ihre Türen geöffnet. Ein Blick auf die aktuellen Weine.

Beim diesjährigen „Mythos Mosel“, dem Wochenende der Offenen Keller, hatten 30 Weingüter in elf Ortschaften von Kesten bis Zeltingen ihre Pforten für die Besucher aufgetan. Jedes von ihnen hatte drei weitere aus dem ganzen Anbaugebiet zu Gast. Es war voller als im Vorjahr: Dem Vernehmen nach ist die Besucherzahl von 3000 auf 5000 Personen geklettert.

Mythos Mosel Wehlen
Letztlich bekommt man nur einen kleinen Ausschnitt. Zum Beispiel, wie hier, von Wehlen.

Von Samstag bis Sonntag fast nichts als Riesling, wird das nicht langweilig? Zwei Tage sind eine Herausforderung, aber Langeweile kommt nicht auf. Vielmehr wird wieder hinreichend klar, warum der Riesling der König der deutschen Rebsorten ist. Neben all den anderen Regionen in Deutschland, wo er brilliert, zeigt er bereits in einem einzelnen Anbaugebiet schon gehörige Unterschiede. Und die Mosel ist nicht klein: Von den rund 9000 Hektar sind über 5000 mit Riesling bestockt. Auf einer Länge von etwa 250 Flusskilometern wird Weinbau betrieben: Die unterschiedlichen Klimata und Böden, kombiniert mit den verschiedenen Jahrgängen und Ausbauarten, lassen eine faszinierende Vielfalt an Weinen insgesamt und an Rieslingen im Besonderen entstehen.

Trocken oder nicht: kein Wert an sich
Mythos Mosel Dr. Loosen Knochentrocken
Wird das mal knochentrocken? Weinberge bei Dr. Loosen in Bernkastel-Kues.

Eine Typizität der Mosel ist auch der Stellenwert der restsüßen Rieslinge. Hier kann man in halbtrockenen und fruchtsüßen Spezialitäten schwelgen. Wer bei Mythos Mosel unterwegs ist, kommt aktuell nicht umhin anzunehmen, dass das Dogma von trocken trocken trocken im Schwinden begriffen ist. Auch wenn man an den Ständen ab und zu noch den Satz „Aber bitte nur trocken“ hört oder Weinnamen wie „Knochentrocken“ (Dr. Loosen) oder „Furztrocken“ (Reis) um Kundschaft buhlen, so als wäre die Absenz von Restzucker ein Wert an sich. Das gilt natürlich genauso wenig für dessen Vorhandensein, allerdings hilft bei Rieslingen von der Mosel ein wenig Restzucker oft, die feine Frucht herauszuarbeiten. Für die Untergebiete Saar und Ruwer gilt dies in besonderem Maße.

Benzin im Tank
Mythos Mosel Markus Molitor Haus Klosterberg
Besuchermagnet: Haus Klosterberg von Markus Molitor in Wehlen.

Es gibt sogar Weingüter, die bei Mythos Mosel gar nichts Trockenes anbieten. Willi Schaefer gehört dazu. Die freundliche Dame hinter dem Stand verweist eine Besucherin zu einem der drei Gastweingüter, Weiser-Künstler: „Die haben sowas.“ Bei Schaefer selbst gibt es Rieslinge aus den Lagen Graacher Himmelreich und Dompropst (die Auslese aus der Wehlener Sonnenuhr war gegen Abend schon aus). Interessant waren auch die kleinen Unterschiede, die man beim 2016er Graacher Dompropst Riesling Spätlese machte, indem man zwei verschiedene Fässer probieren konnte. Wer auf Petrolnoten steht, kam bei Fass 10 insofern auf seine Kosten, als der Wein in der Nase nicht nur nach Öltank roch, sondern nach Benzin. Dieser Geruch verflüchtigte sich aber bei kräftigem Schwenken stark. Ein super Wein, der wie die Variation aus Fass 5 mit Aromen von süßen gelben Früchten, aber auch etwas Frische aufwartete.

Gereifte Auslese und junge Kabinettweine
Mythos Mosel Markus Molitor Reben
Wird das mal restsüß? Weinberge beim Weingut Markus Molitor.

Aus dem Graacher Himmelreich gab es bei Markus Molitor eine fruchtsüße Auslese, die ebenfalls mit Petrolnoten daherkam – bei diesem Wein jedoch kein Wunder, da es sich um den Jahrgang 2007 handelte. Mit einer schönen hellgoldenen Farbe, Aromen von nassem Stein, leichtem Gewürz, vollreifen exotischen Früchten und am Gaumen Mineralik und Schmelz überzeugte dieses Schätzchen vollauf. Schön duftig und im Mund süffig-leicht und typisch Kabi empfahl sich der 2016er Zeltinger Sonnenuhr Riesling Kabinett vom Weingut Ackermann, der auch im Preis überzeugt. Ein paar Euro teurer ist der 2016er Ockfener Bockstein Kabinett aus Großer Lage von Nik Weis. Dieser Wein von der Saar zeigt Honigaromen, süßes Gewürz, vollreife exotische Früchte und ätherische Noten. Am Gaumen überzeugt er durch Aromen von gelbem Apfel, Gewürz und weist eine leichte Frische sowie Schmelz auf.

Auch trocken gefällt
Mythos Mosel Graacher Dompropst
Auf ihre Lagen sind die Moselwinzer zurecht stolz: Graacher Dompropst.

Und ja, es gab auch trockene Rieslinge, die einiges konnten! So etwa der 2017er Eisbruch vom Weingut Anker von Daniel Immich. Dieser Wein überzeugte durch eine schöne florale Nase und mineralische sowie feine zitrische Noten am Gaumen. Oder der 2017er Ürziger Würzgarten Alte Reben von Marco Adamy: viel Mineralität, Kräuterwürze, am Gaumen druckvoll! Auch bei diesem Wein gefiel nebenher der Preis. Wer auf richtig trockenen Sekt steht, fand beim Weingut Gebrüder Simon einen 2014er Schwarzriesling Brut nature, der mit Frische, Druck sowie angenehmer Frucht punktete.

Es muss nicht immer trocken sein, schon gar nicht an Mosel, Saar und Ruwer. Es geht aber auch dort trocken. Letztlich sollte die Aromatik im Vordergrund stehen. Und von aromatischen Weinen finden sich an der Mosel jede Menge: Mythos Mosel bot hier wieder viele Einblicke. (siehe auch Mosel und Nahe 2017)

Mythos Mosel Riesling
Mythos Mosel: Riesling kann so, so oder so sein.

Ein Kommentar

  1. Ich finde, dass die Mosel gerade im trockenen Bereich stark zulegt. Mittlerweile gibt es ja auch an der Mosel 100 Parker-Punkte für trockene Rieslinge. Die Qualitätsverbesserungen gelten nicht nur für die bekannten Namen, sondern auch für viele kleinere oder unbekanntere Weingüter. Da gibt es Weingüter, von denen man noch nie gehört hat und deren trockene Rieslinge locker mit dem ein oder anderen GG mithalten können. Es tut sich da Einiges!

    Die jüngeren Winzer-Generationen und die „Neulinge“, die von außen kommen, sorgen zumindest in einem gewissen Rahmen für Bewegung. Die Bedingungen zum Spitzen-Weinbau sind an der Mosel mehr als gegeben. Mittlerweile werden sie auch immer stärker genutzt. So werden vergessene Spitzenlagen wie z.B. der Ockfener Geisberg (Saar), Waldracher Krone (Ruwer) oder der Trarbacher Hühnerberg (Mittelmosel) wieder stärker mit Reben bestockt. Es gibt auch einen Trend in die Höhe, der klar sichtbar ist. Spannend Rotweine findet man auch :).

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