ornellaia Bolgheri Einzellagen

Ornellaia, in seine Bestandteile zerlegt

Die Ornellaia-Cuvée ist berühmt. Wie schmecken die Verschnittpartner eigentlich einzeln?

ornellaia L'Essenza 2014
Wichtig ist, was hinten rauskommt: 2014 Ornellaia L’Essenza.

Was eine Cuvée ist, weiß jeder Weintrinker: Ein Verschnitt verschiedener Weine. Meistens geht es um Rebsorten, aber verschneiden kann man natürlich auch Lagen oder Jahrgänge. In der Regel interessiert sich jeder nur um das Ergebnis und etwa die Franzosen, die bei Rotwein überwiegend Cuvées abfüllen, halten es in der Regel auch für überflüssig, die verwendeten Rebsorten, geschweige denn die prozentualen Anteile auf dem Etikett aufzuführen. Warum auch, wird man vermutlich jenseits des Rheins mit den Schultern zucken, wie ein Bordeaux schmecken muss, weiß man schließlich. Und ob er gelungen ist oder nicht, merkt man ja, wenn man ihn im Glas hat. Das Anbaugebiet Bolgheri, in dem das Weingut Ornellaia liegt, befindet sich zwar in der Toskana. Es ist aber bekannt dafür, auf die roten Rebsorten zu setzen, die auch im Bordeauxgebiet angebaut werden.

2014, ein schwieriges Jahr?
ornellaia Axel Heinz Kellermeister
„Eine Cuvée kreieren, das mache ich nur einmal im Jahr“: Axel Heinz von Ornellaia.

Um es vorwegzunehmen: Der Ornellaia schmeckt. Klar erwartet man das auch von einem Wein, bei dem die Flasche 150 Euro kostet. Aber den Preis haben Menschen gemacht und die Natur interessiert sich dafür nicht. Der 2014er, der jetzt auf den Markt gekommen ist, war kein ganz einfacher Jahrgang. Deswegen habe man sich bei der Frage, was alles in den Erstwein (Ornellaia) und was in den Zweitwein (Le Serre Nuove) kommt, für die zuverlässigsten Kandidaten unter den 80 Einzellagen entschieden, die das an der Mittelmeerküste beheimatete Weingut bewirtschaftet: Die „Essenz“ der Weinberge sozusagen, daher auch der Untertitel L’Essenza für den Jahrgang 2014. (zum einem anderen toskanischen Anbaugebiet siehe auch den Blogbeitrag 300 Jahre Chianti Classico)
Da von den 80 immer noch um die 30 verschiedene, einzeln ausgebaute Weine in den Ornellaia kommen, wollte es Kellermeister Axel Heinz nicht übertreiben, schließlich sollte es ja nur eine Demonstration sein, wie unterschiedlich die Ergebnisse der Einzellagen sind und was es heißt, zu cuvetieren. Aber auch die neun ausgewählten Lagenweine, die er aus dem Ornellaia-Universum vorstellt, bieten in der Tat einen lohnenden Einblick in den Einfluss von Rebenalter und Terroir sowie in die Arbeit des „Weinmachers“ – wobei sich Heinz hierbei von seiner Assistentin und Michel Rolland unterstützen lässt. „Ich selbst mache das nur ein Mal im Jahr“, erklärt er die Hinzunahme des nicht ganz unumstrittenen Flying Winemakers, „während Michel 70 bis 80 Prozent seiner Arbeitszeit mit dem Erschaffen von Cuvées verbringt.“

ornellaia Einzellagen Weine
Die richtige Mischung macht’s: Aus ganz vielen Weinen soll einer werden.
Bolgheri ist Bordeaux in Italien

Es geht los mit drei verschiedenen Merlots. Während Merlot 1 (aus der Lage Bolgherese) fleischig und würzig daherkommt, aber mit noch nicht recht eingebundenen Tanninen, sind bei Merlot 2 (Ginestraio) eingelegte rote Früchte, orientalische Gewürze und Tabakaromen zu verzeichnen sowie Kraft und griffige Tannine. „Den könnte man auch separat abfüllen“, findet Heinz, während Merlot 1 der typische Cuvée-Wein sei. Merlot 3 (Bellaria) schließlich wartet in der Nase mit einer ätherischen Note auf, im Mund mit Kirsche, Pflaume und Nelke; Harmonie und Konzentration sind hier spürbar, die Tannine sind dicht gewebt und samtig. „Ein Stützpfeiler für den Ornellaia“, so Heinz. Man ahnt also schon, wo die Reise hingeht. Denn die fertige Cuvée wird logischerweise erst am Schluss eingeschenkt.
Nun geht es zum Cabernet Franc (Bellaria Alta). Meldet die Nase zunächst Würze und Röstaromatik, treten geschwenkt brachial vegetabile Noten von Wurzeln und grüner Paprika in den Vordergrund. Am Gaumen tritt noch Eukalyptus hinzu, rote Beeren jetzt auch und wieder die Röstnoten vom neuen Holz. Alkoholisch und ein stumpfes Tannin. Diesen Wein wünscht man sich in der Tat nicht sortenrein.

ornellaia Axel Heinz Oenologe
„Ohne Cabernet Sauvignon geht es nicht“, ist Axel Heinz überzeugt.

„Man kann beim Ornellaia auf den Cabernet Sauvignon nicht verzichten“, lautet Heinz‘ Credo beim Wechsel zu dieser Rebsorte. Der aus der Lage Olivino ist kirschrot, opak, selbst die Ränder sind fast komplett durchgefärbt. Neben Röstaromen präsentiert sich der Wein in der Nase fleischig, Gewürze, Cassis, Wacholder und Paprika sind vorhanden. Am Gaumen streng, dicht und mit sehr strukturiertem Tannin. Der Cabernet Sauvignon aus der Lage Bellaria Alta dagegen ist wesentlich frischer, hat sogar leicht zitrische Noten und überzeugt nicht so richtig. Der dritte Cabernet aus alten Reben liegt schwarzrot im Glas, die Nase meldet ätherische Noten und nassen Stein. Im Mund ist dieser Wein ganz Kraft und Körper, Gewürze sind da, aber Frucht?

Trop et trop peu

Der Petit Verdot aus Bellaria Alta weist vegetabile Noten von Macchia und Paprika auf, Gewürze, Sauerkirsche und Wildbeeren sowie bittere Noten und eine kräftige Säure. Sicher kein Wunder, dass der Anteil an Petit Verdot am geringsten ausfällt in der Ornellaia-Cuvée. „Das ist schon sehr rustikal“, fasst Heinz zusammen. Spätestens jetzt wird klar, was Cuvetieren heißt: Das, was der einen Rebsorte fehlt, wird durch die andere ergänzt. Und das, was in einer Lage zu dominant ist, wird durch eine andere abgepuffert. Sicher gibt es auch Stimmen, die sagen, Cuvées würden den singulären Charakter von Einzellagen zerstören. Bei dieser Probe hatte man allerdings selten das Gefühl, dass das einen Verlust darstellt. Nicht, weil es schlechte Einzelweine wären, aber das „Trop et trop peu“ – zu viel und zu wenig – war mitunter doch überdeutlich. Ein kleines Manko stellte natürlich dar, dass die Proben aus dem Jahrgang 2015 waren – vielleicht kam die Idee zu diesem Einzellagentasting erst, als der 2014er schon cuvetiert war. Trotzdem, einen Einblick in die Vielfalt der Ergebnisse in einem einzigen Weingut, die – neben den unterschiedlichen Rebsorten – durch verschiedene Böden, Mikroklimata, das Alter der Reben und die Ausbauart bestimmt werden, gab diese Aufschlüsselung allemal. (zu nichtverschnittenen Rotweinen siehe auch den Blogbeitrag Reinsortiges von Barón de Ley)

ornellaia Bolgheri Einzellagen
Ein Weingut, aber jede Parzelle liefert andere Ergebnisse: Einzellagenproben von Ornellaia.

Und das Ergebnis? Nun, der 2014er Ornellaia ist rubinrot, die Nase meldet Kräuterwürze, Vanille und Marzipan, geschwenkt treten fruchtige Noten wie sehr reife Erdbeere hinzu, außerdem nussige Töne, Gewürze, dunkle Schokolade und Waldbeeren. Im Mund fällt die Frische des Weins auf, Kirsche ist da, Stein, Wacholder. Der Wein hat einen mittleren Körper, ein zupackendes Tannin und einen langen Nachhall. Wenn das die Essenz aus 2014 ist, dann war es auf jeden Fall kein schlechter Jahrgang!

Ein Kommentar

  1. Hallo, bin gerade vom Spiegel hierher gekommen.

    Das erste was mir auffällt, warum sind da schräge Linien hinter dem Text, die das Lesen unheimlich erschweren?

    Da macht das Lesen keinen Spaß.

    Gruß Lothar Schmidtke

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