Weinfehler im Film, entkorkt

Über Wein kann man den Leuten ja viel erzählen, heißt es oft. Stimmt, muss man nach Durchsicht einiger Film- und Fernseh-Produktionen leider sagen. Beispiele für Weinfehler im Film.

Wein Film Kino Drehbuch
CineVino, wohl ohne Weinfehler im Film: Museum in San Gimignano.

Dass in Spielfilmen Gläser gerne am Kelch statt am Stiel angefasst werden, ist zwar schade. Aber meistens ist der Wein auch nur Beiwerk. Wenn vermeintliche Connaisseure auftreten, könnten die Drehbücher aber ruhig etwas liebevoller lektoriert werden. Sonst entstehen skurrile Weinfehler im Film.

Film-Dreh um 90 Grad
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Auch diesen „Vrzeaujolais“ aus dem serbischen Vršac sollte man nicht stehend lagern.

Wein spielt in der dritten Staffel von „Sneaky Pete“ eine große Rolle. Mit seiner kriminellen Partnerin Lizzie versucht Trickbetrüger Pete sich zunächst als Weinfälscher. Die Story scheint inspiriert von der Dokumentation „Sour Grapes“ über den (kürzlich aus der Haft entlassenen) Weinfälscher Rudy Kurniawan. Betuchte Sammler prellte er um mehrere Millionen. Während Rudy aber anscheinend über ein außergewöhnliches Sensorium verfügt und Weine so mischte, dass sie dem Original relativ nahe kamen, wird in Sneaky Pete wesentlich rustikaler vorgegangen: Asche, Schimmel, Leder, Rinde, Hühnerkot in eine Schüssel schütten, verschiedene Rotweine drüberkippen, durchkneten und durch ein Tuch seihen. (Staffel 3, Folge 3) Fertig ist der „1937er Romanée-Conti“!

Sicher wird sich hier auch über die Weinfanatiker lustig macht, die das Ganze dann als „rauchig, erdig, wie eine kubanische Zigarre“ loben. Doch welcher Weinfreak würde drei Flaschen echten 1929er DRC, wie der ikonische Burgunder der Domaine de la Romanée-Conti hier genannt wird, stehend lagern? So gesehen in der vorletzten Folge der dritten Staffel, als der Wein nicht mehr gefälscht, sondern einfach nur noch gestohlen wird. Tipp, falls Sie zufällig bei sich im Keller drei Flaschen Romanée-Conti rumstehen sehen: Bitte einmal um 90 Grad drehen. Liegend trocknet der Korken nicht aus und bekommt Risse.

Romanze ohne Bleikristall
Weinfehler im Film lektorieren
Glas für den roten Burgunder? Der Griff geht in die Mitte, bitte!

Noch eine Gaunerkomödie, in der der Wein freilich nur am Rande vorkommt: „Wild Target – Romanze in Blei“. Gegen Ende des Films – Achtung, Spoiler! – sitzen der Auftragsmörder Victor Maynard und das von ihm verschonte Opfer Rose an einem Tisch. Es gibt einen „leichten Burgunder“. Soll doch der Zuschauer den Feingeist in dem Verbrecher, der von einem Mutterkomplex geplagt wird, erkennen können. Ein rotes Tannin-Monster wäre da kontraproduktiv, bis hier also kein Weinfehler im Film. Noch mehr würde Victor allerdings als kultivierter Gentleman rüberkommen, wenn er diesen eleganten Rotwein in einem adäquaten Glas servieren würde – am Geld scheint es nicht zu liegen. Statt in ein bauchiges Kristallglas wird der Burgunder jedoch in ein wenig elegantes, V-förmiges Etwas gegossen. Schade drum!

Die Ironie des Weißen Schimmels
Skript Wein Filmfehler vermeiden Experte
Merlot, sogar zu hundert Prozent.

Paul Giamatti in seiner Rolle als Weinfreak Miles im legendären Hollywood-Film „Sideways“ hat einiges angerichtet: Er stimmt eine Ode auf Pinot Noir an und stampft den Merlot in Grund und Boden. Das Klischee, die US-Zuschauer hätten dies in der Folge genauso gehandhabt, wurde sogar in einer Studie überprüft, Ergebnis: stimmt ungefähr. Kurios ist in Sideways jedoch die Flasche 1961er Cheval Blanc, die Miles sich für den besonderen Augenblick aufhebt. Denn der berühmte Bordeaux vom Weingut mit dem Weißen Pferd im Namen besteht etwa zur Hälfte aus Merlot. Das sei doch ironisch, liest man dazu hier und da. Ironie bedeutet landläufig, augenzwinkernd das Gegenteil von dem zu sagen, was man meint. So wirkt es aber nicht, wenn Miles schreit: „Ich trinke keinen beschissenen Merlot!“ Außerdem muss der Zuschauer schon ein wenig Ahnung von Wein haben, um den Hintersinn dieses Gags zu verstehen. Dass Miles, der in einer schweren Lebenskrise steckt, schließlich im Schnellrestaurant einen Hamburger mit dem Cheval Blanc runterspült, ist dagegen bittere Ironie: Der besondere Moment wollte einfach nicht kommen.

Traumhafte Nase
Weinfehler im Film vermeiden
Tannine und Nachhall riechen? Da brat mir doch einer einen Storch!

Während man bei Sideways lange darüber diskutieren kann, ob das ein Weinfehler im Film ist oder nicht, liegt der Unsinn beim deutschen „Traumschiff“ dagegen auf der Hand. Obwohl die Bord-Sommelière Vanessa Kranz in der Folge „Kapstadt“ auf Deck nur an dem Cabernet Sauvignon riecht, identifiziert sie „feine Tannine“ und „die mineralischen Noten klingen lange nach“. Tannine lassen sich allerdings nur haptisch beurteilen. Zum Beispiel indem man mit der Zunge über den Gaumen streicht. Und nachklingen kann ein Wein nur, wenn man ihn hinuntergeschluckt hat. Man könnte einwenden, dass die Sommelière den Wein schon kennt. Trotzdem würde wohl auch niemand an Äpfeln aus dem eigenen Garten schnuppern und sagen: Die sind aber sauer! Nein, dieser Cabernet ist einfach ein Traum.

Griff ins Klo
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Selbst in dieser Toilette sollte man besser keinen Wein keltern.

Jean-Claude Van Damme als gealterter Action-Held in der Mini-Serie „Jean-Claude van Johnson“ ist absolut sehenswert. In der sechsten und letzten Folge erzählt er von einem 75 Jahre alten Toilettenwein aus einem Kriegsgefangenenlager, den er zusammen mit einem Freund kürzlich getrunken habe. „Der war spektakulär.“ Nun, wie sogenannter Toiletten- oder Gefängnis-„Wein“ schmeckt, werden die wenigsten aus Erfahrung sagen können. Was man dazu lesen kann, klingt aber alles andere als ansprechend: In Plastiktüten oder Toiletten-Spülkästen wird Obst, Ketchup, was man so hat, zusammengerührt und zur Gärung gebracht. Hier ist der Weinfehler sozusagen Programm, daher kann man die Eloge auf den Toilettenwein nur als Weinfehler im Film ansehen. Wie auch immer: Bitte nicht beim Händler nachfragen, ob er gereiften Toilettenwein hat. Es sei denn, Sie sind auf seinen Gesichtsausdruck gespannt!

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